HZ-Interview mit Bürgermeisterkandidat Hans-Wilhelm Saal über seine Motivation und die politischen Ziele

Ein Sechser-Gespann in der Kurve

Er will da rein: Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Hans Wilhelm Saal vor dem Bad Hersfelder Rathaus. Foto: nh

Bad Hersfeld. Hans-Wilhelm Saals erneute Kandidatur um das Amt des Bürgermeisters war für viele eine Überraschung. Kai A. Struthoff sprach im Rahmen der HZ-Kandidaten-Interviews mit dem gebürtigen Hersfelder über seine Ziele.

Wie hat man in Ihrem Umfeld auf Ihre neuerliche Kandidatur reagiert?

Hans Wilhelm Saal: Ich fühle mich als Hersfelder, der seit über 25 Jahren im Stadtparlament tätig ist, gefordert. Manch einer war verwundert, andere aber gar nicht. Viele habe sogar erwartet, dass ich den Hut in den Ring geworfen habe.

Aber warum treten Sie nicht für die CDU, sondern als Unabhängiger an?

Saal: Das liegt an der Parteispitze, die andere Vorstellungen hatte, mit denen ich nicht konform gehe. Ich denke, dass wird sich in den nächsten Monaten klären, ich setze da auf die Selbstheilungskräfte einer Partei. Alle Hersfelder wissen, wo meine politische Heimat ist. Ich glaube, die Parteizugehörigkeit ist für einen Bürgermeisterkandidaten auch nicht so wichtig, da geht es mehr um die Person und ihre Ziele. Ich bekomme viel Unterstützung von meinen Hersfelder Mitstreitern, aber auch von der Jungen Union, wofür ich sehr dankbar bin.

2007 haben Sie ein enttäuschendes Ergebnis erzielt, warum sollte es jetzt anders sein?

Saal: Die Ausgangslage ist diesmal eine ganz andere. Boehmer galt vielen Wählern immer noch als CDU-Kandidat. Außerdem war er im Vorteil als Amtsinhaber. Diesmal rechne ich mir sehr viel höhere Chancen aus, da meine Vorhaben zukunftsweisend und überzeugend sind.

Sie betonen ihre Herschfeller Herkunft. Glauben Sie, dass das für die Wähler wichtig ist?

Saal: Die Herkunft unterstreicht das Wissen um die Verhältnisse in der Stadt. Wie denkt die Hersfelder Bevölkerung, was will sie? Ich brauche keine lange Zeit, um mich einzuarbeiten – und diese Zeit haben wir auch gar nicht. Die Stadt läuft auf vollen Touren. Das ist ein Sechser-Gespann auf einer kurvenreichen Strecke. Wir können uns keine verlorene Zeit, wie damals mit Walter Weiß, leisten. Deshalb bin ich im Vorteil, denn ich kenne die Lage und kann sofort neue Weichen stellen.

Sie gehen mit der Forderung nach einem zentralen Rathaus im früheren Telekom-Haus in den Wahlkampf. Ist das tatsächlich das Hauptproblem der Stadt?

Saal: Das ist eine wichtige Säule meines Konzepts und somit eine ganz zentrale Frage. Im Verwaltungshaushalt ist kaum noch Luft. Wir müssen riesige Projekte bewältigen. Deshalb müssen wir personelle Freiräume schaffen, um die zunehmenden Aufgaben zu bewältigen. Auch bei EDV und Energie werden wir erheblich Geld einsparen. Ich erwarte durch eine Zusammenlegung der Verwaltung Einsparungen von fünf bis acht Prozent, das wären 500 000 bis 800 000 Euro pro Haushaltsjahr.

Stichwort Finanzen: Welche Konzepte haben sie, um mit der sich verstärkenden Finanznot umzugehen.

Saal: Es hilft nicht, nur zu jammern. Wir müssten eigentlich an allen Ecken sparen, aber wir wollen die freiwilligen Leistungen etwa für Vereine sowie soziale und kulturelle Institutionen nicht weiter beschneiden. Deshalb müssen wir intelligent sparen, so auch durch die die Zusammenlegung von Verwaltungsstrukturen.

Und den Schilde-Park, können wir uns dieses Projekt leisten?

Saal: Ich werde dafür kämpfen, dass dieses 30-Millionen-Projekt wie geplant umgesetzt wird. Nur den für 2014 geplanten Innenausbau der Veranstaltungshalle würde ich verschieben. Das würde 4,5 Millionen Euro einsparen bis im Haushalt sichergestellt ist, das wir uns dies leisten können. Solange werden wir die Halle für Theaterprojekte und als Indoor-Halle für junge Leute nutzen.

Was ist mit den Festspielen?

Saal: Die Hersfelder Festspiele sehen alle mit Sorge, ich glaube zu Unrecht. Der Intendant Holk Freytag ist erfahren genug und hat die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. Ich glaube an sein Konzept. Der neue Spielplan macht mich sehr zuversichtlich, dass alle Ziele erreicht werden. Der neue Kurdirektor muss zusammen mit dem Stadtmarketing prüfen, was sonst noch machbar ist.

Geld, Festspiele, Schilde-Park, darüber reden alle. Haben Sie weitere Pläne?

Saal. Ich möchte den demografischen Wandel stärker in das Bewusstsein der Menschen rücken und deutlich machen, dass darin auch viele Chancen liegen. Deshalb möchte ich eine Stabsstelle im Rathaus schaffen, die mit diesem zentralen Thema unserer Zukunft befasst ist und die Kommunikation darüber verbessert. Junge Leute sollen erkennen, dass sie ein rarer Rohstoff sind, um den wir uns kümmern müssen.

Welche Rolle würde Ex-Bürgermeister Boehmer bei Ihnen spielen?

Saal: Es ist keine gute Lösung, dass Boehmer Geschäftsführer ist und damit ja auch haftbar ist. Er könnte sicher als Berater dieses Projekt weiter begleiten. Aber die Verantwortung, und das gilt insbesondere für die Vitalis-Klinik, muss beim Bürgermeister liegen. Er muss entscheiden.

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