Mediationsverfahren für Windpark-Wehneberg ohne konkrete Empfehlungen beendet

Sechs statt acht Rotoren?

Das Haus des Ehepaars Böhm am Wehneberg wäre nur etwa 900 Meter vom nächsten Windrad entfernt. Foto: Archiv/Struthoff

Bad Hersfeld. Auch in der dritten Runde des Mediationsverfahrens im Streit um den geplanten Bau von acht Windrädern auf dem Wehneberg ist es nicht gelungen, einen konkreten Kompromiss zu erarbeiten. Nach Einschätzung von Johannes van Horrick, Fachbereichsleiter der Technischen Verwaltung bei der Stadt Bad Hersfeld, wird es jetzt „sehr schwer werden, den Bau der Anlagen noch zu verhindern“.

Andrea Zietz, die Sprecherin der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtwald“ zeigte sich „nicht begeistert“ von dem Ausgang des Vermittlungsverfahrens. Auch viele Mitglieder der BI seien enttäuscht. „Es ist schade, dass sich die Teilnehmer nicht mehr aufeinander zubewegt haben“, sagt sie. Viele der Gegner des Windkraft-Projekts am Wehneberg fühlten sich jetzt „über den Tisch gezogen“.

Immerhin hat die Mediation aber die Möglichkeit eröffnet, vielleicht doch die Zahl der Windräder von acht auf sechs zu reduzieren. So habe sich angedeutet, dass die geplanten Flächen neu zugeschnitten werden, weil Teile des Waldes doch als Erholungsgebiet ausgewiesen werden sollen. Davon würde zumindest die Familie Böhm profitieren, deren idyllisch gelegenes Haus am Waldrand nur knapp 900 Meter vom nächsten Windrad entfernt gewesen wäre.

Zunächst sind jetzt erstmal die Bad Hersfelder Stadtverordneten gefordert, die auf ihrer nächsten Sitzung am 30. Januar über die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans entscheiden müssen. „Die Parlamentarier haben das alleinige Planungsrecht“, erklärt Johannes van Horrick. Natürlich wäre es auch möglich, den Vertrag mit ABO-Wind aufzukündigen – das koste dann aber Schadenersatz. In Rede steht ein hoher sechsstelliger Betrag.

Derweil läuft die Zeit unerbittlich davon. Bis zum 6. Februar muss das Regierungspräsidium alle Stellungnahmen prüfen und über etwaige Änderungen entscheiden. „Wir haben keinen Einfluss auf dieses Verfahren, das macht die Fachbehörde“, sagt van Horrick. Sie orientiere sich dabei an den vorhandenen Gutachten und Informationen. Immerhin würden dabei auch viele Eingaben der Betroffenen berücksichtigt. „Der Protest der Bürger war nicht vergeblich“, ist van Horrick überzeugt.

Auch BI-Sprecherin Zietz meint, die Mediation habe sich trotzdem gelohnt, weil alle Betroffenen an einem Tisch saßen und sich von allen Argumenten ein Bild machen konnten. „Die Mediation hat überhaupt ermöglicht, dass mit uns geredet wurde“, sagt Zietz. Allerdings sei man sich einig, dass das Verfahren viel früher hätte beginnen müssen. Sie räumt ein, dass auch die Gegner des Projekt früher hätten aktiv werden müssen.

„Klar ist, dass die gesamte BI die städtische Politik jetzt anders im Auge hat. Wir werden künftig nicht mehr warten bis uns irgend jemand informiert“, sagt Zietz. „Sich einzumischen, kann gar nicht früh genug losgehen.“ TExt unten und Links

Von Kai A. Struthoff

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