Die Verkürzung der Wehrpflicht führt auch im Landkreis zu Diskussionen

Nur sechs Monate in Oliv

Gloria

Hersfeld-Rotenburg. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die Wehrpflicht ab Oktober dieses Jahres verkürzen: Statt neun Monaten sollen es nur noch sechs sein. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg wird diese Entscheidung diskutiert. Wir fragten Passanten in Bad Hersfeld, Rotenburgs Bürgermeister und einen Oberstleutnant der Reserve nach ihrer Meinung.

Frank Pfennig aus Bad Hersfeld ist kritisiert die Entscheidung des Ministers: „Ich halte nichts davon, denn ich war selbst bei der Bundeswehr. Das Wissen, das man sich in nur sechs Monaten aneignet, reicht einfach nicht aus“, erklärt der 43-Jährige. Anders sehen das Mira Pfannmüller und ihre Freundin Gloria Willhardt, die ebenfalls in der Kreisstadt leben. Beide sehen die neue Regelung recht gelassen. Die 15-jährige Mira sagt: „Es ist in Ordnung die Zeit zu verkürzen. Wer dann bei der Bundeswehr bleiben will, kann das danach auch freiwillig machen.“

Gerhardt Wolf aus Bad Hersfeld ist für die Verkürzung. Der 78-Jährige erkennt darin einen Nutzen für Wehrpflichtige: „Die jungen Männer haben so einen kleinen Vorteil, weil sie Zeit sparen.“

Carsten Trinks, Vorsitzender der Kreisgruppe Osthessen im Verband der Reservisten, argumentiert: „Aus Sicht der Streitkräfte ist eine Verkürzung besser als die Abschaffung.“ Der Oberstleutnant der Reserve geht davon aus, dass die Grundlagen der Wehrpflicht auch in sechs Monaten vermittelt werden können. Zudem reiche die Zeit, um der Bundeswehr eine „Palette für die Personalauswahl“ zu liefern. Wichtig sei, den Rekruten innerhalb von sechs Monaten das Handwerk so zu zeigen, dass sie zumindest mit den Streitkräften in Berührung kommen.

Grundsätzlich für die allgemeine Wehrpflicht ist Manfred Fehr, der Bürgermeister der Stadt Rotenburg. Zu fragen sei dann, ob eine Ausbildung überhaupt leistbar sei, wenn der Wehrdienst – und insbesondere die Grundausbildung – verkürzt werde, sagt der Verwaltungschef. In Rotenburg sind derzeit 380 Feldjäger und 850 Soldaten des Führungsunterstützungsbataillons stationiert.

Da wegen der Wehrdienstverkürzung mehr Menschen eingezogen würden, erwartet Fehr keine Nachteile für Rotenburg. (dob/rai) Foto: Feik//Backovic

Kommentare