Sozialausschuss diskutierte über Frauenförderplan für Hersfelder Stadtverwaltung

Ein schwieriges Geschäft

Bad Hersfeld. Einen Frauenförderplan muss die Stadt Bad Hersfeld haben, so will es das Gesetz. Stichtag war der 1. Januar 2007. Inzwischen, gut drei Jahre später, gibt es tatsächlich einen solchen Plan und er nimmt gerade die letzten Hürden, damit er auch in Kraft treten kann.

Unumstritten ist dieser Plan nicht. Das wurde am Dienstagabend im Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport der Stadtverordnetenversammlung deutlich, als die interne Frauenbeauftragte der Stadt, Jutta Hendler, ihre Stellungnahme zu dem Plan abgab. Hendler bemängelte unter anderem, dass es dem Plan an Zielen und konkreten Maßnahmen zur Frauenförderung fehle. Sie könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass die Stadt für ihre Mitarbeiterinnen Krippenplätze zur Verfügung stellt und hält es für erforderlich, dass bei der Vergabe von Lehrgängen und bei Höhergruppierungen gezielt auf Frauen geachtet wird. Dabei ist es ihrer Meinung nach notwendig, Fortbildungen generell als Arbeitszeit zu verstehen und nicht teilweise als Freizeit.

Die Führungspositionen in der Stadtverwaltung seien komplett und die politischen Gremien überwiegend mit Männern besetzt, hat Hendler festgestellt. Da wünscht sie sich noch mehr gezielte Ansprache der Frauen.

Als positiv vermerkte Jutta Hendler jedoch, dass Frauen dank der flexiblen Arbeitzeiten bessere Möglichkeiten hätten, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Arbeitsgruppe gründen

Gerne würde Jutta Hendler eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, sich sich um die Förderung von Frauen in der Verwaltung und um Chancengleichheit kümmert.

Eine solche Arbeitsgruppe hätte Antje Fey-Spengler (Fraktionsgemeinschaft) eigentlich erwartet, um den Frauenförderplan überhaupt aufzustellen. Ebenso wie die CDU-Vertreterinnen im Sozialausschuss (Anni Stanitzek, Christel Schubert und Bärbel Kling) empfindet sie es als unbefriedigend, dass es zum Frauenförderplan der Stadt eine kritische Stellungnahme der Frauenbeauftragten gibt. Lieber wäre es den Frauen, wenn die Positionen zu einem Papier zusammengefügt werden könnten.

Übrigens haben auch Personalrat und Frauenbeauftragte unterschiedliche Meinungen zu dem Plan, da der Personalrat sowohl die Anliegen von Männern als auch von Frauen vertritt. Um ganz konkrete Anliegen von Männern geht es dabei im Hintergrund. Bei der Stadt stehen einige Beförderungen und Höhergruppierungen männlicher Mitarbeiter an und die können nur wirksam werden, wenn der Frauenförderplan in Kraft ist.

Frauen lehnen ab

Dass die Förderung der Frauen in der Verwaltung ein schwieriges Geschäft ist, das machte Horst Gerlich, der Referent des Bürgermeisters, deutlich. Man biete den Frauen immer wieder höher dotierte Stellen beziehungsweise den Besuch vorbereitender Lehrgänge dazu an, doch lehnten die weiblichen Beschäftigten die Aufstiegsmöglichkeit in der Regel ab, erläuterte er. Bürgermeister Hartmut H. Boehmer ergänzte, dass die Stadt sehr gute Erfahrungen mit der Einstellung weiblicher Auszubildender gemacht habe.

Der Frauenförderplan wurde schließlich gegen die Stimmen von vier der fünf weiblichen Ausschussmitglieder dem Stadtparlament zur Annahme empfohlen. Die Frauenbeauftragte hofft, dass nun eine Diskussion in Gang kommt, damit es voran geht mit der Frauenförderung in Bad Hersfeld. Kommentar

Von Christine Zacharias

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