Polizist wegen Körperverletzung verurteilt

Schwiegervater war Opfer des Ehestreits

Bad Hersfeld / Ronshausen. Das, was sich in der Nacht zum 28. Juli vergangenen Jahres in einer Wohnung in Ronshausen abspielte, war der traurige Höhepunkt eines Ehestreits, der bereits 1993 begonnen hatte. Seitdem hatte es zwischen einem heute 48-jährigen Polizisten und seiner Frau gekriselt, und immer wieder war es zum „Übergriffen“, sprich: Gewalttätigkeiten kommen, möglicherweise sogar von beiden Seiten. Vor einen Jahr jedoch war es alleine der Mann, der zuschlug, als ihm seine Frau eröffnet hatte, die Scheidung einreichen zu wollen.

Doch Opfer war nicht etwa die Gattin, sondern der 78-jährige Schwiegervater, der nach den Hilferufen seiner Tochter in die Nachbarwohnung geeilt war. Mit mehreren Faustschlägen ins Gesicht traktierte der stark alkoholisierte Schwiegersohn seinen körperlich unterlegen Gegner, der prompt zu Boden ging. Dort fing er sich noch etliche Tritte des Rasenden ein, der mehrfach drohte, seine gesamte Verwandtschaft umzubringen.

„Es tut mir leid“

Vor dem Strafrichter am Bad Hersfelder Amtsgericht zeigte sich der Angeklagte gestern nicht nur geständig, sondern reumütig. „Es ist aus mir herausgebrochen“, sagte er, „es tut mit leid.“

Damit war es jedoch nicht getan, denn die Liste der Verletzungen, die der Verprügelte erlitten hatte, war lang: Trümmerbrüche am Augenbogen und im Oberkiefer, die Nase kaputt, so dass sie unkontrolliert läuft, und ein bisschen schwerhörig ist der betagte Mann seitdem auch noch.

Kollege als zweites Opfer

Zweites Opfer des Polizisten war in dieser Nacht ein Kollege von der Polizeistation Rotenburg. Beim Anlegen der Handfesseln stieß der Ronshäuser mit den Kopf nach hinten und verpasste dem Ordnungshüter eine große Prellmarke auf der Stirn. Das sei unabsichtlich geschehen, sagte der Angeklagte zunächst, räumte auf skeptische Nachfrage von Richter Elmar Schnelle jedoch ein: „Das war kein Zufall.“

Alkoholmissbrauch und psychische Auffälligkeiten wie seine Aggressivität und gelegentliche Depressionen haben den Polizisten wohl nicht nur der Form halber veranlasst, sich in therapeutische Behandlung zu begeben. Auch ein erstes Schmerzensgeld von 1500 Euro hat er bereits freiwillig an seinen Schwiegervater bezahlt.

Verurteilt wurde er gestern zu einer Geldstrafe von 125 Tagessätzen zu je 50 Euro. Die lag zwischen den Anträgen von Oberamtsanwältin Silke Röder und Rechtsanwalt Andreas Knoth, der den Polizisten verteidigte.

Rechtsanwältig Margit Guy, die für den Schwiegervater die Nebenklage vertrat, plädierte freilich für eine Freiheitsstrafe von neuen Monaten. Sie nahm dem Angeklagten Einsicht und Reue nicht ab. Vielmehr sehe sich der Ehemann in den langjährigen ehelichen Auseinandersetzungen als Opfer und nicht als Täter.

Von Karl Schönholtz

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