Abgegebene Kampfhunde sind meist zu einem Leben im Tierheim verurteilt

Schwer vermittelbar

Rottweiler Spike posiert mit Winfried von Alpen, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Bad Hersfeld, und Tierpfleger Toni Zabel vor dem Hersfelder Tierheim. Trotz anfänglichen Misstrauens hat sich Spike an die Pfleger gewöhnt. Foto: Wettlaufer/nh

Bad Hersfeld. Rocky, Patschi, Nina und Spike begrüßen Neuankömmlinge im Tierheim mit lautem Bellen – wie alle Tiere dort warten sie auf ein neues Zuhause. Doch die vier sind so genannte Kampfhunde und deshalb schwer vermittelbar. Sie landeten im Tierheim, weil ihre Besitzer sie nicht vorschriftsmäßig hielten oder sie misshandelten. Das erklärt Winfried von Alpen, Erster Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad-Hersfeld.

Den Begriff „Kampfhund“ findet von Alpen mittelalterlich. Auch die Kategorisierung als „Listenhund“ – Hunderassen, die auf der Liste gefährlicher Hunderassen stehen – findet er unnötig. Nicht zuletzt, da sich diese Listen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. So gilt in Hessens Hundeverordnung der Rottweiler als Kampf- oder Listenhund. Niedersachsen hat dagegen die Nennung von Hunderassen in ihrem Gesetz zur Hundehaltung vermieden.

Nur in eine Schublade

Von Alpen findet, dass diese Listen bestimmte Hunderassen nur in eine Schublade stecken – da könnten die einzelnen Tiere noch so lieb sein. Es reiche, Hunde als „auffällig“ einzustufen, wenn sie durch Beißangriffe oder erhöhte Aggressivität gegenüber Menschen auffällig geworden sind.

Doch auch zu Hunden, die bereits als auffällig eingestuft wurden, wie Rottweiler Spike, sagt er: „Auffällig sind meist die Besitzer – nicht die Hunde.“ Spike kam abgemagert nach schwerer Misshandlung ins Tierheim. Der Rüde ist schon 11 Jahre alt und wegen seines Status als Listenhund, seiner Auffälligkeit sowie seines Alters kaum vermittelbar.

Dabei sagt Tierpfleger Toni Zabel: „Listenhunde sind vom Wesen nicht aggressiver als andere Hunde.“ Es gebe auch mehr Beißunfälle von Schäferhunden und Mischlingen als von Listenhunden. Angriffe auf Menschen seien ebenfalls meist auf menschliches Versagen zurückzuführen, meint von Alpen. Vor allem sei es wichtig, die strengen Auflagen für Listenhund-Besitzer auch zu kontrollieren – dies sei meist nicht der Fall. Denn die Wesensänderung des Hundes, sagt von Alpen, entstehe durch den Menschen.

Rocky, Patschi, Nina und Spike sind wahrscheinlich zu einem Leben im Tierheim verurteilt, das weiß von Alpen aus Erfahrung. Ein Listenhund kostet das Tierheim Bad Hersfeld 3000 Euro im Jahr, unter anderem wegen den vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen.

Auf Spenden angewiesen

Deshalb ist das Tierheim für eine Sanierung der Hundeunterkünfte auch auf Spenden angewiesen. Wer den Listenhunden im Tierheim helfen will, kann an das Tierheim spenden oder eine Patenschaft übernehmen. Freiwillige Gassigänger sind auch gern gesehen, müssen aber bei Listenhunden eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen.

Kontakt: Telefon 06621/ 64 640, Internet www.tierschutzverein-hef.de

Von Sophie Wettlaufer

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