Landwirte legen bei der Mast derzeit kräftig drauf

Schweinepreise niedrig wie lange nicht mehr

Hersfeld-Rotenburg. Die Landwirte in der Region leiden unter den niedrigen Schweinepreisen, die im vergangenen Jahr laut Regionalbauernverband Kurhessen 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.

Der landwirtschaftliche Unternehmensberater Thomas Fögen, der auch die Schweinemäster im Kreis berät, rechnet vor: Für ein Schwein mit 95 Kilogramm Schlachtgewicht bekomme der Landwirt bei Schweinepreisen von zuletzt 1,28 Euro pro Kilogramm vom Schlachthof rund 122 Euro. Der Kaufpreis für ein 30-Kilo-Ferkel betrage 50 Euro. Nach Abzug der variablen Kosten – etwa für Futter oder Energie – und der Fixkosten (Abtrag und Lohnkosten), mache der Landwirt derzeit rund 18,50 Euro Verlust pro Tier.

Im Jahresverlauf unterliege der Schweinepreis Schwankungen. In der Grillsaison im Sommer steige die Nachfrage. Im Januar erreiche der Preis hingegen sein niedrigstes Niveau. „Weil während der Feiertage in den Schlachthöfen nicht gearbeitet wird, sind dann besonders viele schlachtreife Tiere auf dem Markt“, erklärt Fögen.

Nach drei guten Jahren haben die Preise jetzt wieder ein niedriges Niveau erreicht. Schweinefleisch werde in den Supermärkten verramscht; für viele Kunden sei vor allem der Preis ausschlaggebend. Gehacktes koste derzeit weniger als Katzenfutter. Zudem sei Russland als wichtigster Absatzmarkt weggefallen. Kurzfristig könnten die Landwirte die niedrigen Preise mit anderen Betriebszweigen ausgleichen. Langfristig finde ein Verdrängungswettbewerb statt.

Dass viele Kunden billiges Fleisch nachfragen, den Landwirten aber gleichzeitig unterstellt werde, bei diesem Preisniveau unmöglich gute Qualität produzieren zu können, ärgert Landwirt Jörg Ulmann aus Richelsdorf. Tatsächlich seien die Anforderungen an die Tierhaltung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Zum Tage, Seite 4

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