Ein schweigender Bürgermeister und ein unnötiger Maulkorb

Kai A.

Schade, eigentlich: Sofort nach der fristlosen Kündigung von Intendant Holk Freytag hatten wir Bürgermeister Thomas Fehling angeboten, in einem Interview mit unserer Zeitung seine Sicht der Dinge ausführlich darzulegen. Diesem Angebot nochmal schriftlich Nachdruck verliehen. Aber der Bürgermeister will nicht reden. Über seinen Sprecher ließ Thomas Fehling mitteilen, er werde bis Ende September keine Interviews zur Zukunft der Festspiele mehr geben – uns nicht, und auch keinem anderen Medium. Na, schau’n mer mal ...

Außerdem hatten wir dem Bürgermeister in einem persönlichen Brief den Vorschlag gemacht, sich bei einem von unserer Zeitung veranstalteten Forum den Fragen unserer Leser (von denen ja auch manche seine Wähler sind) zu stellen. Weil wir geahnt haben, dass Fehling – vielleicht sogar verständlicher Weise – ein wenig befangen ist, was einen Moderator aus den Reihen der HZ angeht, hatten wir ihm vorgeschlagen, den renommierten und aus Bad Hersfeld stammenden Journalisten Ottmar Berbalk (HNA, Stern, Focus) mit der Moderation zu betrauen. Doch auch das wollte Thomas Fehling nicht, wie er durch seinen Sprecher mitteilen ließ. Selbst geantwortet hat er uns nicht.

Warum schreibe ich das? Weil ich der Legendenbildung entgegentreten will. Denn natürlich verbreiten interessierte Kreise die Mär, die HZ würde missliebige Meinungen unterdrücken und Andersdenkende nicht zu Wort kommen lassen. Quatsch! Lesen Sie doch nur die zum Teil heftigen Beschimpfungen unserer Arbeit in der HZ-Leserbriefspalte, die wir natürlich aushalten und veröffentlichen. Genauso wie der Bürgermeister bei unserem Freiluft-Forum zur Intendanten-Entlassung hätte sprechen können, wurden auch sonst alle Erklärungen zur Freytag-Entlassung von ihm bei uns abgedruckt. Das gehört sich ja auch so. Die klare Trennung von Nachricht und deutlich gekennzeichneter Meinung ist eine der Grundfesten des Journalismus und deshalb natürlich auch uns heilig. Das beweisen ja auch die Interview- und Forum-Angebote an Thomas Fehling.

Natürlich passt es dem Bürgermeister nicht, wie unsere Zeitung seine Arbeit kommentiert. Doch diese Meinungsäußerungen muss er aushalten – als Bürgermeister, als Person der Zeitgeschichte und als Vertreter des öffentlichen Lebens.

Politische Kreise versuchen immer wieder, unsere Arbeit in die von ihnen gewünschten Bahnen zu lenken. So wollten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eigentlich am Montag in einem Doppel- Interview die neue Kreisbrandinspektorin (KBI) Tanja Dittmar und die Bad Hersfelder Stadtbrandinspektorin Nadine Reinhardt vorstellen. Diese doppelte Frauen-Power ist bundesweit einmalig. Sicher hätten es nicht nur die vielen engagierten, ehrenamtlichen Feuerwehrleute in unserem Kreis, die Tag und Nacht für unsere Sicherheit ihren Kopf hinhalten, interessant gefunden, was die beiden Front-Frauen zu sagen haben.

Trotzdem wurde der neuen KBI im Landratsamt eine Art Maulkorb verpasst. Seine Fragen sollte mein Kollege Mario Reymond vorab schriftlich einreichen – was er natürlich nicht getan hat. Beim Interview selbst sollte ein „Aufpasser“ dabei sein, die Antworten sollten später von verschiedenen Stellen noch abgesegnet werden. Alles äußert ungewöhnlich!

Dabei gibt es an der fachlichen Kompetenz der gestandenen Berufs-Feuerwehrfrau gar keine Zweifel. Tanja Dittmar wäre bestimmt Frau genug gewesen, auf unsere Fragen auch ohne Vorbereitung und Souffleur zu antworten.

Doch zur Krönung wurde uns vorab ein Foto zur Illustration des Interviews angedient, auf dem die beiden Feuerwehrfrauen neben Landrat Schmidt und Bürgermeister Fehling posieren, obwohl die beiden Herren in diesem Fall gar nicht gefragt waren. Das war nun wirklich zu viel. Mein Kollege Reymond war empört und hat das Interview platzen lassen.

Auch hier gilt: Schade, eigentlich. Aber eine derartige Gängelung der Presse lassen wir uns nicht gefallen.

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