250 Dinge, die wir an der Region mögen, Teil 7: Morgens laufen am Wehneberg

Das Schweigen des Waldes

Sonntagmorgens hat der frühe Vogel den Wald am Wehneberg ganz für sich allein. Nur die Morgensonne malt ihre Lichtmuster auf die vereisten Wege. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Es soll ja Zeitgenossen geben, die den Begriff „Waldhessen“ provinziell finden. Sie verbinden damit „Waldheini“ oder „Hinterwäldler“. Dabei ist es gerade der Wald, der den Reiz und Reichtum unserer Region ausmacht. Überall locken hier stille Wege zum Wandern, Walken oder Joggen.

Eine der schönsten Laufstrecken in Bad Hersfeld führt durch den Stadtwald rund um den Wehneberg. Zwei Routen über drei und zehn Kilometer sind dank des Bundesverbands der Unfallkassen (BUK), der seine Bildungsakademie am Wehneberg beim Klinikum hat und das Wegenetz betreut, gut beschildert. Rote und gelbe Zeichen sorgen dafür, dass der Waldläufer nicht vom Weg abkommt.

Zugegeben, in diesen eisigen Tagen erfordert es einige Überwindung, sich morgens aus dem warmen Bett zu quälen, um bei frostigen Temperaturen durch den Wald zu laufen. Doch wenn der frühe Sonnenschein diffus durch die Baumwipfel scheint und Lichtmuster auf die Wege malt, ist die Müdigkeit schnell verflogen. Sonntagmorgens, kurz vor neun, hat der frühe Vogel den Wald ganz für sich allein. Auf dem Parkplatz stehen zwar einige Autos, doch die Wege sind verwaist.

Schnell fällt der Körper in den gewohnten Schritt. Bald rinnen die ersten Schweißperlen unter der Mütze hervor. Der Atem steht in einer weißen Wolke vor dem Mund. Knarzend bricht der gefrorene Boden unter dem Schritt des Läufers und stört die morgendliche Andacht in der Kathedrale des Waldes. Neugierig hüpfen zwei Rehe aus dem Unterholz, blicken den einsamen Sportler an und verschwinden dann wieder im Unterholz.

Vorbei führt der Weg an kleinen Unterständen, die an wärmeren Tagen zur Rast einladen. Dann wieder weicht der Wald zurück und gibt den Blick frei über die Hügel und Täler unserer Region. Überall am Wegesrand stapeln sich Holzstämme, der Reichtum Waldhessens. Oft zeugen aufgewühlte Wege von dem schweren Gerät, das bei der „Holzernte“ zum Einsatz kommt. Doch am Sonntagmorgen schweigen die Wälder. Ganz am Ende des Weges erreichen wir Hof Wehneberg. Manchmal stehen hier Pferde auf der Koppel. Weit geht der Blick ins Rohrbachtal. Dort locken neue Wege. Jetzt ist der Kopf frei – und das Frühstück schmeckt doppelt so gut.

Von Kai A. Struthoff

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