Wochenendporträt: Nicole Meinhardt freut sich über den Opern-Nachwuchspreis

Sie schwebt auf Wolke 15

„Man muss wissen, was man kann und was man nicht kann“, sagt Nicole Meinhardt über ihren Beruf. Die Sopranistin singt bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen die Despina in „Così fan tutte“ und erhielt dafür den Orpheuspreis für Nachwuchskünstler. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Als Hofdame und mit einem „Knicks“ fing alles an. In Giuseppe Verdis „Luise Miller“ stand Nicole Meinhardt zu Schulzeiten im Anhaltischen Theater Dessau als eine von fünf Hofdamen zum ersten Mal auf einer Bühne. „Das war auch meine erste Opern-Erfahrung“, erinnert sich die 27-Jährige lachend.

Bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen singt sie derzeit die Despina in Wolfgang Amadeus Mozarts „Così fan tutte“. Zusammen mit Daniel Hirschel präsentierte sie als Moderatorin außerdem die Kinderfassung von „Aida“. Dabei steckt die lyrische Sopranistin noch mitten im Studium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Umso mehr freut es sie, jetzt nicht nur auf der „überwältigenden“ Bühne in der Stiftsruine stehen zu dürfen, sondern auch ein „offizielles“ Lob bekommen zu haben. Am vergangenen Sonntag erhielt Meinhardt den Orpheuspreis für Nachwuchskünstler. „Ich schwebe gerade auf Wolke 15 oder noch höher“, sagt sie schmunzelnd. „Das ist ein ganz besonderes Feedback.“ Schließlich stecke hinter einer fundierten Gesangsausbildung jede Menge harte Arbeit und viel Disziplin. Umso schöner sei es, wenn dieser oftmals steinige Weg von Erfolg gekrönt sei und man sowohl das Publikum als auch die professionellen Kritiker überzeugen könne. „Mir ist es wichtig, dass das Publikum etwas mitnimmt.“

Potenzial erkannt

Zu ihrem Engagement in Bad Hersfeld ist Nicole Meinhardt über Regisseur Hugo Wieg gekommen, den sie von der Uni her kennt und der für die Inszenierung von „Così fan tutte“ verantwortlich zeichnet. „Er hat offenbar mein Potenzial als Sängerin und Darstellerin gesehen“, so Meinhardt, die überzeugt ist, dass man als Künstler nur Erfolg hat, „wenn man weiß, was man kann und was man nicht kann.“

Im Internet habe sie dann nach Bad Hersfeld und der Stiftsruine gesucht, doch erst vor Ort habe sie die Dimension der Bühne erkannt. „Das ist wie mit Menschen auf Fotos, da weiß man auch nie, wie groß sie sind“, gesteht die fröhliche 27-Jährige, und gibt zu: „Ich habe mich natürlich gefragt, ob meine Stimme das schaffen kann.“ Der Erfolg sei nun ein guter Ansporn, den Weg weiter zu gehen.

Nach dem Abitur sei für sie auch ein Kunststudium infrage gekommen, berichtet Meinhardt über ihren Weg zur Opernsängerin. Schließlich habe sie sich aber gegen die Malerei und für den Gesang entschieden. „Die Liebe zur Oper wurde dann immer stärker“, sagt sie. „Ich mag zwar auch Musical und Schauspiel, aber mein Herz schlägt für die Oper.“ Dort gelte es einerseits, mit der eigenen Stimme Räume zu füllen, aber sich bei der Interpretation einer Partie auch darstellerisch einzubringen. Despina sei deshalb eine sehr reizvolle Rolle, weil sie Strippenzieherin und verbindendes Element der Akte und zudem eine vielschichtige Erscheinung sei. „Despina ist eine selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will und wie man sich durchsetzt.“

Nicole Meinhardt will sich nun auf ihren Masterabschluss konzentrieren, und dann würden hoffentlich viele Vorsingen anstehen. Zu schnell aber dürfe man auch nicht starten und dann das Ziel verfehlen, warnt Meinhardt. Das sei wie im Sport. Zur Person

Von Nadine Maaz

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