Wolfgang Gellert und Fried Wolff gastierten mit Wilhelm-Busch-Programm im Grebe-Keller

Schwarz und höchst aktuell

Wolfgang Gellert (rechts) und Fried Wolff sind ein eingespieltes Team. Sie warfen sich in einer Mischung aus Kalauer und Sinnentiefe die verbalen Bälle zu. Zur sparsamen Requisite gehörten Bilder des Malers Wilhelm Busch. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Wilhelm Busch, der große Maler, Dichter und Denker, ist der Klassiker deutschen Humors. Aus der Fülle seiner Texte stellten Wolfgang Gellert und Fried Wolff ein kurzweiliges Programm zusammen, mit dem sie am Freitag im ausverkauften Grebe-Kulturkeller begeisterten.

„Max & Moritz“ und „Die fromme Helene“ waren nicht dabei, dafür ging der „alte Förster Püsterich“ mal wieder auf den Schnepfenstrich. Hersfeld-Preisträger Gellert und sein Kollege brachten den Besuchern den unbekannten, sensiblen Busch näher. Ein scharfer Beobachter und Kritiker seines Alltags und seiner Umwelt, der mit Ironie und schwärzestem Humor die vermeintlich heile Welt des 19. Jahrhunderts darstellt.

„Die Freunde“, „Aus dem Rathausener Tagblatt…“, oder „Wie schad, dass ich kein Pfaffe bin…“ gehörten zu den Wortspielen, mit denen Busch die heile Welt ins Wanken gebracht hat. Das grandiose Zusammenspiel der charismatischen Schauspieler bewirkte, dass bei so vielen bitter-süßen Lebensweisheiten keine Langeweile aufkam.

Zu den Höhepunkten des 90-minütigen Programms gehörten zweifelsohne die von Fried Wolff auf der Gitarre begleiteten musikalischen Beiträge im Zwiegesang. „Du beugst die lilienweißen Knie und hebst das Hemd und machst pipi!“ sind Textzeilen aus dem „Ständchen“.

Viel beklatscht wurden auch „Das Lied vom dicken Fritz“ und „Das Teufelswirtshaus“. „Das Geld ist rar, die Kurse sinken, dagegen steigt der Preis der Schinken“, reimte Busch und ahnte nicht, dass seine Texte auch 150 Jahre später noch immer höchst aktuell sind.

Diese Aktualität und die Bühnenpräsenz der beiden Protagonisten bescherten dem Publikum im besonderen Ambiente bei einem guten Glas Wein einen äußerst vergnüglichen Abend, der mit einer Busch-Anekdote endete. „Er ist uns zu früh genommen worden!“ bemerkte der anwesende Schäfer auf Nachfrage der jungen Leuten am Grab des Meisters in Mechtshausen und ergänzte: „So einen kriegen wir nicht wieder; der war unser größter Steuerzahler.“

Von Gudrun Schmidl

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