Opernfestspiele 2011: Manuela Bress will die Menschen im Theater verzaubern

Schwäche für finstere Typen

Manuela Bress singt die Kathinka in „Die verkaufte Braut“. Foto: nh

Bad Hersfeld. In der Oper geht es zumeist um Zauber, um Verbrechen und Rettung, ja und um Liebe und Betrug – Eltern stören da bloß. In Bedrich Smetanas „Verkaufter Braut“, in der zwei Halbbrüder als Bewerber um die Titelfrau antreten, sind sie jedoch dramaturgisch notwendig. Maries Eltern, böhmische Bauersleute, haben für das Kirchweihfest die Verlobung ihrer Tochter mit dem Sohn des auswärtigen Grundbesitzers Micha anberaumt.

Aus Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern stammt Manuela Bress, die in ihrem zweiten Bad Hersfelder Sommer (nach Mamma Lucia in „Cavalleria rusticana“ 2010) sich nun in Maries Mutter Kathinka verwandelt. Als Lieblingspartie nennt die Mezzosopranistin indes keine Mutterrolle, sondern die einer Rivalin, die finstere Ortrud in Wagners „Lohengrin“.

Auf dem Grünen Hügel

Richard Wagner hat es heutigen Bühnensängern angetan wie eh und je. Manuela Bress kreuzte bereits einmal singend auf dem Grünen Hügel in Bayreuth auf – im jetzt abgelaufenen, von Tankred Dorst inszenierten „Ring des Nibelungen“ als Rossweiße. Die ist eine der acht „kleinen“ Walküren neben der einen „großen“, Brünnhilde. Eine andere „kleine“, die Grimgerde, hat sie in der Inszenierung der furiosen katalanischen Theatertruppe „La Fura dels Baus“ verkörpert. Dieser von Zubin Mehta dirigierte „Ring“ zur Eröffnung des prachtvollen Opernhauses von Valencia lief letzten Sommer auch im deutschen Fernsehen.

Manuela Bress und Wagner, Teil 3: Nächstes Jahr wirkt sie an einer „Ring“-Produktion in Buenos Aires mit, in der die Bayreuther Festspielleiterin Katherina Wagner den Opern-Vierteiler ihres Urgroßvaters auf sieben Stunden komprimiert, die Hälfte der originalen Gesamtdauer. Auch ein Berliner Lehrer der Sängerin, Endrik Wottrich, war Bayreuth-Tenor.

Verweisen kann sie ferner auf hoch respektable Opernauftritte an der Komischen Oper Berlin (als Hexe in Dvoráks „Rusalka“, Regie: Barrie Kosky), an der Oper Leipzig (als Gutsbesitzerin Larina in Tschaikowskis „Eugen Onegin“, Regie: Peter Konwitschny) und am Theater Regensburg (in Richard Strauss’ „Elektra“ als Klytämnestra, das Urbild der bösen Mutter). Da versteht man ihr künstlerisches Credo: „Die Menschen wollen im Theater verzaubert werden“.

Von Siegfried Weyh

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