250 Dinge, die wir mögen (149): die Rotenburger Stadtmauer

Schutz und Struktur

Die Rotenburger Stadtmauer ist bei Bürgern und Touristen beliebt. Foto: Meyer

Rotenburg. Mit einer Höhe von über fünf Metern und einer Stärke von gut einem Meter wird sie ihre Aufgabe wahrlich gut erfüllt haben: Die Rotenburger Stadtmauer gewährte den Bewohnern der kleinen Stadt Schutz und Sicherheit. Vielleicht ist es seine Symbolkraft, die das unregelmäßige Bauwerk aus Buntsandstein bis heute beliebt macht – bei Touristen und bei den Rotenburgern selbst.

Rotenburg wurde in der Zeit kurz vor 1200 gezielt angelegt. Nach dem Tod des in Hessen regierenden Heinrich Raspe III. sah der Thüringer Landgraf die Gelegenheit gekommen, seinen Einfluss in Hessen auszubauen. Die Stadtgründung sollte seinen Gebietsanspruch festigen. Zunächst schützten nur Holzpalisaden die Stadt, bis 1290 entstand dann eine steinerne Mauer.

Die Stadtmauer umgab die schildförmig angelegte Stadt im Halbrund. An der geraden Seite begrenzte die Fulda die Stadt. Über einen Kilometer lang war die Mauer. Zwei große Stadttore dienten als gesicherte Ein- und Ausgänge. Innerhalb der Mauer spielte sich das Leben ab. Die Bauernhöfe lagen hier, davon zeugen heute noch ehemalige Scheunen. Arbeiten, die Raum erforderten, wie etwa das Zuschneiden von Bauholz, erledigten die Rotenburger auf dem Marktplatz.

Die beiden Wehrtürme stehen heute noch an der Mauer. Beide dienten zeitweise als Gefängnis. In einem von ihnen, dem sogenannten Hexenturm, soll die als Hexe bezichtigte Anna Elsa Baldewin ein Jahr lang gefangen gewesen sein. Um der vermeintlichen Hexe nicht in die Augen blicken zu müssen, warf man ihr das Essen durch ein Loch aus dem oberen Turmraum hinab. Nach dem Jahr soll Anna Elsa Baldewin gestorben sein.

Als die Stadt des Schutzes nicht mehr bedurfte, nutzten die Bürger die Mauer als Rückwand für Gebäude. Gegen 1700 brachen sie einzelne Türen in die Mauer und legten auf der äußeren Seite Gärten an. Durchgänge entstanden, die Höhe wurde verringert. Auch wenn die Stadt längst über die durch die Mauer gesetzte Grenze hinausgewachsen ist und die Mauer ihre alte Funktion nicht mehr hat – bis heute verleiht sie Rotenburg seine Struktur.

Von Achim Meyer

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