Wochenendporträt: Karl Weber, Schulleiter der Modellschule Obersberg, hört auf

Die Schulzeit ist vorbei

Kehrt seinem Schreibtisch den Rücken: Karl Weber, Schulleiter der Modellschule Obersberg, hört kommende Woche auf. Foto: Marth

Bad Hersfeld. 2425 Abizeugnisse, 1109 FOS-Zeugnisse – zusammengerechnet 3534. Es sind nur ein paar Ziffern, die auf dem kleinen gelben Klebezettel stehen, den Karl Weber auf seinem Schreibtisch liegen hat. Doch sie sagen eine Menge aus. Karl Weber hat Bilanz gezogen. Mehr als 3500 Schüler hat er als Schulleiter der Modellschule Obersberg in die „Erwachsenenwelt“ entlassen. Mehr als 3500 Schüler, bei denen er, wie er sagt, vielleicht ein Gramm dazu beigetragen hat, sie auf das Leben vorzubereiten.

In der kommenden Woche werden die Rollen getauscht: Dann ist Weber der, der entlassen wird. Nach 34 Jahren im Schuldienst, davon zwölf als Schulleiter der MSO, beginnt für den 61-Jährigen nun die Freistellungsphase der Altersteilzeit. In wenigen Jahren folgt die Pensionierung.

Schon früh verschlägt es Weber in den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Nach dem Lehramtsstudium in Marburg absolviert er sein Referendariat in Rotenburg und wechselt 1977 an die MSO. 1984 wird er Pädagogischer Leiter an der Gesamtschule Bebra, 1997 übernimmt er die Schulleitung. Im Juni 1999 kehrt er schließlich nach Bad Hersfeld zurück. „Praktisch zu einer alten Liebe, die nicht rostet“, wie er heute sagt.

Überhaupt war es die Liebe, die den gebürtigen Siegener in der Region hielt. „Ursprünglich wollte ich schon irgendwann wieder zurück nach Nordrhein-Westfalen“, erzählt er, immer wieder lächelnd und leicht gestikulierend. „Hängen geblieben bin ich dann aber, weil ich hier meine Frau kennengelernt habe.“

Traumberuf Lehrer

Lehrer – etwas anderes wollte er nie werden, sagt Karl Weber. Der Schulleiterposten habe sich schließlich ergeben. Man sei immer am Puls der Zeit, habe mit jungen Leuten zu tun, könne Einfluss darauf nehmen, wie sich eine Schule entwickelt und Anreger von Entwicklungen sein – positive Aspekte seiner Arbeit aufzuzählen fällt Weber nicht schwer. Ein Idealist sei er nicht, sagt er während sein Blick durch den Raum schweift. Visionen aber müsse man haben.

Amtsmüde wirkt der 61-Jährige nicht. Doch er freut sich auf die Zeit, die kommt. „Ich möchte gerne mal ein Jahr ohne Verantwortung leben“, sagt er, „und über meine Zeit wieder frei verfügen.“ Pläne für die kommenden Monate hat er einige: Tennis spielen, Laufen gehen, das eigene Kanu auspacken. Außerdem reisen und viel lesen – vor allem fachwissenschaftliche Literatur der Germanistik.

Ganz ohne Wehmut wird er den Obersberg aber nicht verlassen: Das lichtdurchflutete Büro mit dem säuberlich aufgeräumten Schreibtisch, der Büste von Konrad Duden und den pastellfarbenen Bildern der griechischen Insel Santorin an der Wand. Die Kollegen, von denen er zwei Drittel in seiner Amtszeit neu eingestellt hat. Und das „Top-Schulleitungsteam“, für das er eine Menge Lob findet.

Doch man müsse einen Schlussstrich ziehen, sagt Karl Weber. Dabei fällt sein Blick auf den kleinen gelben Klebezettel mit den Zahlen – seine Bilanz der vergangenen Jahre.

Von Kristina Marth

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