Streit um Videoüberwachung an Schulen / Ruhl: Es gab keine offiziellen Informationen

Schulleiter widerspricht Landrat

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Hersfeld-Rotenburg. Der Streit um die möglicherweise illegale Überwachung von Schulen per Videokamera schlägt hohe Wellen. Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass mindestens fünf Schulen im Kreis durch Kameras beobachtet werden – ohne Wissen und Zustimmung der Schuldezernentin Elke Künholz.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt hingegen sagte, die Überwachung erfolge stets in Absprache und auf Wunsch der Schulen (HZ berichtete am Samstag).

Dem widerspricht der Schulleiter der Gesamtschule in Schenklengsfeld, Oskar Ruhl: „Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und habe das Projekt gemeinsam mit unserem Personalrat immer kritisch und mit einem gewissen Unbehagen begleitet. Eine offizielle Information über die Handhabung der Anlagen gab es nicht“, erklärte Ruhl. Er fürchtet nun um den guten Ruf seiner Schule.

Ruhl stellt sich ausdrücklich hinter seinen Hausmeister, durch den die Videoüberwachung ruchbar wurde, weil er dadurch eine Putzfrau beim Telefonieren ertappt hatte. „Der Hausmeister leistet ausgezeichnete Arbeit“, stellt Ruhl klar, er sei nun durch die Aussagen einer „unzufriedenen Putzfrau“ im Misskredit geraten.

Außerdem betont Ruhl, dass es nie eine Videoüberwachung der Toiletten gegeben habe. „Durch Türen abgetrennte Toilettenvorräume ermöglichen keinen Blick auf die Toiletten und sind auch keine Toiletten.“

Auch in den Internet-Foren der Medien des Kreises wird das Thema heiß diskutiert. So wird gemutmaßt, dass hinter dem Video-Streit ein Machtkampf zwischen Landrat Dr. Schmidt und seiner Stellvertreterin Elke Künholz steht. Andere Leser zeigen Verständnis für die Videoüberwachung und loben sie als wirksames Mittel gegen Vandalismus.

Für die Freien Wähler (FWG) im Kreistag spricht indes deren Vorsitzender Jörg Brand von einer „illegalen, weil ungenehmigten“ Überwachung und fordert eine lückenlose Aufklärung.

In Internetforum unserer Zeitung meint der User „Karl“ sogar, dass sich die Skandale im Landratsamt häufen: „Ich persönlich stelle mir die Frage, ob Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt in seiner Position noch tragbar ist?“, schreibt er.

Von Kai A. Struthoff

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