Zuerst die Kinder sehen

Bei Schulleiter Mirko Ochs dauert die Schulstunde 60 Minuten

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Zurück auf Start: Mirko Ochs, der neue Leiter der Wilhelm-Neuhaus-Schule in Bad Hersfeld, in veränderter Funktion an alter Wirkungsstätte.

Bad Hersfeld. Vor elf Jahren hat er hier seine ersten Unterrichtsstunden gehalten, vor sieben Jahren musste er gehen, weil die Zahl der für ihn verfügbaren Stunden nicht ausreichte. Doch jetzt kehrt Mirko Ochs an die Wilhelm-Neuhaus-Schule in Bad Hersfeld zurück – und das als Leiter.

„Ein schönes Gefühl“, bekennt der 38-Jährige, „denn es hat sich gar nicht so viel verändert“. Ochs tritt zum neuen Schuljahr die Nachfolge von Karl-Heinrich George an, der den bei den Schulanfängern äußerst beliebten Pädagogen damals nur ungern ziehen ließ. Auch seine jetzige Stellvertreterin, Konrektorin Brigitte Fett, ist Ochs aus seiner Anfangszeit als Lehrer bekannt: „Mit ihr habe ich damals meinen ersten Elterabend veranstaltet“.

Doch der Mirko Ochs von heute steht nicht für Nostalgie, sondern für Entwicklung und Veränderung. Das war auch der Hintergrund seiner Entscheidung, von Kirchheim wieder nach Bad Hersfeld zu wechseln. „Ich habe Kirchheim sehr geschätzt“, sagt er, denn an der Grundschule Aulatal durfte er als vergleichsweise junger Mann Führungsverantwortung übernehmen. Und die hat Ochs genutzt.

Sein Credo, dass 45 Minuten für eine Schulstunde zu kurz sind, um darin neben dem Unvermeidlichen auch eine intensive Arbeitsphase unterzubringen, hat er durch die Einführung 60-minütiger Einheiten umgesetzt. „Weil immer erst mal Ruhe einkehren muss, bleibt am Ende mehr Zeit, die man nutzen kann. Damit waren auch die Kollegen vollauf zufrieden“, berichtet er aus seinen bisherigen Erfahrungen.

An der Neuhaus-Schule ist er nicht angetreten, um gleich alles zu verändern. „Vieles hier ist gut, und das soll so bleiben“, sagt er. Doch zu gegebener Zeit wird er dem Kollegium ebenfalls die Umstellung auf 60-minütige Stunden vorschlagen.

Ochs ist überzeugt davon, so seinem Anspruch, die Bedürfnisse der Kinder in den Vordergrund zu stellen, gerecht zu werden. Auch angesichts des gesellschaftlichen und sozialen Wandels gehe es darum, Kinder nicht nur zu betreuen, sondern zu fördern. „Die Kinder liegen mir am Herzen“, stellt er ganz ohne Zwischenton fest.

Ganz wichtig ist ihm auch die Ausweisung als Ganztagsschule. Zwar stellt der Förderverein der Neuhaus-Schule schon seit Jahren ein Betreuungsangebot am frühen Morgen sowie bis zum späten Nachmittag sicher, doch offiziell ist der Status bisher nicht. „Da wurden Ressourcen, also Fördergeld, bisher nicht abgerufen,“ sieht der neue Schulleiter Handlungsbedarf

Das Administrative, die Verantwortung für ein 17-köpfiges Kollegium und 232 Schülerinnen und Schüler wird jedoch bei allem Engagement nur ein Teil von Mirko Ochs’ Arbeit sein: „Hier habe ich die Möglichkeit, trotz der Leitungsfunktion weiter zu unterrichten.“

Und damit ist der Bogen geschlagen zu dem, was Ochs schon ganz am Anfang seiner Lehrerkarriere am besten gefallen hat – die Arbeit mit den Kindern.

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