Opernfestspiele 2014: Mozarts „Così fan tutte“ kommt als leichtes Singspiel daher

In der Schule der Liebenden

Verwirrung im Goldrahmen: Ferrando (Marcus Miesenberger, von links), Guglielmo (Johannes Wollrab), Don Alfonso (Marcus Weishaar), Dorabella (Antje Siefert) und Fiordiligi (Ira Jung). Foto:  Landsiedel

BAD HERSFELD. Eine einst als unmoralisch abgelehnte, heute in ihrer Genialität erkannte Oper feierte am Donnerstagabend Premiere bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen in der Stiftsruine: Mozarts „Così fan tutte“.

Schonungslos ist der Blick auf die Liebe in dieser Beziehungs-Tragikomödie aus dem Jahr 1790: Der Zyniker Don Alfonso stiftet zwei Offiziere zu einer Wette um die Treue ihrer Verlobten an. Als Fremde verkleidet, verführen sie jeweils die Braut des Freundes.

Zwar wird zuletzt die Ausgangskonstellation wieder hergestellt, aber es bleibt das Gefühl allgemeiner Täuschung. Noch bitterer: Die gekreuzten, durch die Wette zustande gekommenen Paare wären die richtigen gewesen - Mozart macht es durch die Stimmfächer deutlich.

Ein guter Einfall

Illusionen gehen in die Brüche: In der Inszenierung von Hugo Wieg versinnbildlicht dies die Dekoration mit einem riesigen zerbrochenen Bilderrahmen. Die Schwestern Dorabella und Fiordiligi treten als Malerinnen auf, das Bild, das sie von ihren Verlobten Ferrando und Guglielmo malen, ist offenbar falsch. Ein guter Einfall.

Über weite Strecken kommt die Oper jedoch als leichtes Singspiel daher. Drollig die Auftritte der Herren als Ägypter mit Umhängen, Sonnenbrillen und Panamahüten. Die Offiziere erscheinen immer in Weiß, die Schwestern tragen schwarze, dann rote Abendkleider.

Die Farben verlaufen nach Geschlecht, nicht nach den unterschiedlichen Charakteren, was ihre Austauschbarkeit unterstreicht (Kostüme: Ute Krajewski).

Dass Deutsch gesungen wird, verstärkt den Singspiel-Charakter. Ira Jung nimmt als Fiordiligi die Klippen ihrer virtuosen Partie, während Antje Siefert (Dorabella) einen eher spröden Mezzo vorführt. Nicht immer unangestrengt klingt der lyrische Tenor Markus Miesenberger (Ferrando). Johannes Wollrab (Guglielmo) bietet eine Bandbreite vom Charmanten bis zum Cholerischen.

Intriganten überzeugten

Überzeugend die Intriganten: Marcus Weishaar (Don Alfonso) mit agilem Bass und Nicole Meinhardt als strahlende Despina. Bunt und frisch sind die Chor-Beiträge. Für einen beschwingt-noblen Mozart-Ton sorgt Dirigent Karel Mitá am Pult des Orchesters Virtuosi Brunenses. Die 500 Gäste sparten nicht mit Beifall für alle Mitwirkenden bis hin zum Kellner-Statisten.

Wieder am: 9., 11., 13., 15., 17., 19. August, jeweils 20.30 Uhr. „Aida“: bis 20. August, an geraden Tagen, 20.30 Uhr. Karten unter 06621/ 506713 und 506718.

Von Georg Pepl

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