Schuld und Sühne

Kai A. Struthoff

Schuld und Sühne waren die großen Themen der vergangenen Woche. Die Ratspräsidentin der evangelischen Kirche, Margot Käßmann, hat gesündigt. Sie ist betrunken Auto gefahren. Doch glücklicherweise war offenbar der Liebe Gott ihr Beifahrer, so dass nichts Schlimmes geschah. Ein allzu menschlicher Fehltritt. Das kann jedem passieren – also Schwamm drüber?

Nein! Margot Käßmann hat jene moralische Größe bewiesen, die man sich von vielen anderen in exponierten Positionen unserer Gesellschaft wünschen würde. Sie ist zurückgetreten. Ein Verlust für die Kirche – fürwahr. Doch mit diesem Schritt bewahrte sie sich auch die innere Freiheit, die sie braucht, um auch in Zukunft ihre Stimme gegen Unrecht und für die Schwachen in unserer Gesellschaft erheben zu können. Die (Verkehrs-) Sünderin Käßmann ist ein Vorbild für uns alle – und hoffentlich wird sich die streitbare Moralistin bald wieder zu Wort melden.

Um Schuld ging es auch beim Bürgermeisterforum in Heringen – die Schuld nämlich an der miesen Stimmung in der Werra-Gemeinde, die Schuld an den drückenden Schulden und die Schuld daran, dass es überhaupt soweit kommen konnte. Über 700 Bürgerinnen und Bürger waren zum Forum unserer Zeitung bekommen, um sich aus ersten Hand einen Eindruck von den drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu machen. Sie erlebten eine leidenschaftliche und zuweilen sogar hitzige Debatte. Die Zuschauer konnten sich ein gutes Bild von den Kandidaten, ihren Stärken und Schwächen, ihren Überzeugungen und Zielen machen. In einer Woche wissen wir mehr. Dann entscheiden die Wähler über die Schuld und wer dafür sühnen muss.

Und wer ist Schuld am Millionenloch, das im Kreishaushalt klafft? Für die CDU ist die Sünderin schnell ausgemacht: Christa Bittner. Es sind vor allem die steigenden Kosten im Sozialbereich, die den Kreis in die roten Zahlen treiben. Heute muss sich der Kreistag mit dem defizitären Zahlenwerk befassen. Haushaltsdebatten sind traditionell der Ort für Generalabrechnungen. Fraglich nur, wie harsch sie ausfallen wird. Für Schuldzuweisungen ist eigentlich nicht die rechte Zeit. Jetzt gilt es zusammenzustehen, um den Karren aus dem Dreck ziehen. Und wer für die Schulden letztlich büßen muss, ist auch klar: unsere Kinder und Enkel.

struthoff@hersfelder-zeitung.de

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