Schuld sind immer die Journalisten

Kai A. Struthoff

Bei dem Info-Abend der Windkraft-Aktivisten hat auch unsere Zeitung ordentlich ihr Fett weg gekriegt. Die HZ hätte seinerzeit „nur einen Satz“ über das Nein der CDU zu den Windkraftplänen im Stadtparlament berichtet. Wir hätten zwar die Stuttgart 21-Kritiker hochgejubelt, den Widerstand gegen die Windkraftpläne aber für aussichtslos und als viel zu spät abgeschrieben, und ohnehin viel zu wenig über das Thema berichtet, kritisierte CDU-Fraktionschef Gunter Grimm unter beifälligem Geraune vieler Anwesender.

Hallo? Ein langes Jahr nach der ersten Abstimmung hat man gar nichts mehr über das Projekt gehört – auch nicht von der CDU. Als dann aber die Info-Veranstaltungen anfingen und der Protest laut wurde, hat unser Blatt darüber so ausführlich berichtet wie über kaum ein anderes Thema und seitenweise Leserbriefe gedruckt. Das ist auch unsere Aufgabe.

An die Spitze der Protestbewegung müssen sich aber andere setzen. Inzwischen haben die Windkraft-Aktivisten viele Informationen zusammengetragen, die auch mich nachdenklich machen – etwa über die gesundheitlichen Auswirkungen von Schallimission. Uns Lokal-Journalisten geht es bei derart komplexen Themen nicht anders als Stadtverordneten oder Otto Normalbürger. Wir sind eben keine Fachleute, sondern berichten nur über deren Expertisen.

Vieles davon ist für uns kaum zu überprüfen, manches widersprüchlich. Deshalb bleibt oft genug ein fades Gefühl. Trotzdem ist nicht der Überbringer der Nachricht schuld daran, wenn demokratische Entscheidungsprozesse am Ende nicht so ausgehen, wie man selbst will.

Nach dem erfolgreichen DRK-Benefizkonzert werden nun auch die Bad Hersfelder Festspiele die Opfer der Flutkatastrophe mit einer Benefizveranstaltung in der Stiftsruine unterstützen. Termin ist Sonntag, 21. Juli, ab 11 Uhr. Beschlossen hat diese Aktion die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der Mehrheitsfraktion von SPD, Grünen und FWG. Was zunächst wie eine politische Initiative aussah, war jedoch gar keine: Denn die Idee für die Veranstaltung kam aus den Reihen des Festspiel-Ensembles selbst. Das jedoch vergaßen die Politiker zu erwähnen.

Ein Schelm, wer dabei jetzt an das Schmücken mit fremden Federn denkt…

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