Psychologe Christian Struß hielt Vortrag beim 19. Forum der Konrad-Duden-Schule

Schul-Erfolg trotz ADHS?

Psychologe und Kinderarzt Christian Struß Foto: Raacke

Bad Hersfeld. Was haben die Kinder, um die es beim 19. Forum der Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld ging, mit Albert Einstein, Leonardo Da Vinci, John F. Kennedy und John Lennon gemeinsam? Sie alle haben oder hatten ADHS – das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom.

Der Einstieg in das Thema mit dem Kinder- und Jugendmediziner Diplom-Psychologe Christian Struß machte neugierig. Besonders betroffene Eltern und Pädogogen sollten an diesem Abend gründlich über die Problematik informiert werden.

Drei Typen von ADHS

Der Referent stellte drei Typen von ADHS-Kindern vor. Das Syndrom ist vererbt, beginnt bereits im Kindesalter und ist auf eine Fehlfunktion des menschlichen Körpers durch eine Stoffwechselkrankheit zurückzuführen. Sie ist eine psychische Störung, die sich bei etwa drei bis zehn Prozent aller Kinder schon vor dem 6. Lebensjahr durch Probleme mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität äußert. Außerdem gilt ADHS als häufigste Ursache für Leistungsprobleme in der Schule und Verhaltensstörungen. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen, und die Krankheit setzt sich meist auch nach der Pubertät fort. In einem Drittel der Fälle treten die Symptome auch noch im Erwachsenenalter auf.

Für den Verlauf der Krankheit spielen viele Faktoren eine Rolle, auch zum Beispiel die Unterrichtsqualität oder psychosoziale Einflüsse. Versagen in Schule oder Beruf sowie die Entwicklung von weiteren psychischen Störungen treten häufig auf. Gewissensbisse sowie Erziehungsfehler der Eltern verstärken die Problematik, zu viele Computerspiele, Handystress und Bewegungsmangel ebenso. Ernährung und Freizeitverhalten sind weitere Risikofaktoren.

Die Behandlung richtet sich nach den jeweiligen Symptomen sowie dem Alter des Betroffenen. Dabei versucht Christian Struß zunächst ohne Medikamente auszukommen. Für schwere Fälle stellt sich eine wohl dosierte Tablettengabe aber oft als Segen heraus. Daraus entstehe erwiesenermaßen keine Abhängigkeit oder Anfälligkeit für Drogen.

Der Referent sieht ADHS-Kinder generell als warmherzig, fantasievoll und interessiert an Dingen, die sie mögen. Mit der Krankheit gehen jedoch viele problematische Eigenschaften einher: Extremer Bewegungsdrang, Unaufmerksamkeit und schlechtes Konzentrationsvermögen, Vergesslichkeit, Verträumtheit, ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis, Zerstreutheit, Stimmungslabilität, oppositionelles Trotzverhalten, chaotische Organisation und Ordnung oder auch mangelndes Selbstwertgefühl. Andererseits werden betroffene Kinder im Alter meist nicht dick und bleiben lange gesund.

Empfehlungen für Eltern

Christian Struß empfahl eine ergotherapeutische Behandlung, einen strukturierten Tagesablauf, eventuell ein Elterncoaching und immer den Kontakt zum Arzt oder der Kinderpsychiatrie zu halten. Überdies sollten Eltern bei allen Bemühungen nicht ihre eigene Beziehung vernachlässigen.

Den Pädogogen gab er mit, gelassen zu bleiben, persönlichen Kontakt herzustellen, auf die richtige Platzierung im Klassenraum zu achten, klare Regeln vorzugeben, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten, häufig zu loben und konsequent zu sein.

Anschließend berichtete eine betroffene Mutter aus eigener Erfahrung. Besonders lobte sie die tolle Aufnahme ihres ADHS-Kindes in der Konrad-Duden-Schule durch die bemühte Klassenlehrerin. Christian Struß empfand das als schönes Schlusswort und betonte, dass Einfühlungsvermögen die beste Medizin gegen ADHS sei. (red/kml)

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