18-Jähriger muss sich vorm Landgericht Fulda verantworten

Hersfelder Schüler steht wegen Raubüberfällen vor Gericht

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Bad Hersfeld/Fulda. Zwei Raubüberfälle auf Tankstellen Ende Mai 2013, die Planung eines Überfalls auf eine Spielhalle, Handel mit Haschisch – die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen einen 18-Jährigen aus Bad Hersfeld wiegen schwer. Der Schüler muss sich seit gestern vor dem Landgericht Fulda verantworten. Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag aber nicht zu den Vorwürfen.

Mit angeklagt ist ein 20-jähriger Bad Hersfelder, der jetzt im Wetter-aukreis wohnt. Er gab zu, bei einem Tankstellenüberfall das Fluchtfahrzeug gefahren zu haben. Er habe mitgemacht, weil er sich „ein bisschen Taschengeld“ versprochen und der Hauptangeklagte ihm gedroht habe: „Es passiert etwas, wenn du nicht mitmachst.“ Die beiden Angeklagten würdigen sich keines Blickes. Der Hauptangeklagte und der wichtigste Belastungszeuge, ein 19-jähriger Auszubildender aus Grebenau (Vogelsbergkreis), tauschten hingegen Blicke aus. Als der 19-Jährige schilderte, er kenne den Angeklagten schon seit fünf Jahren, musste dieser grinsen.

1000 Euro schuldig geblieben

Der Zeuge, auf dessen Aussage die Anklage im Wesentlichen fußt, schilderte den Sachverhalt gestern wie folgt: Er habe gelegentlich Haschisch verkauft. Der Angeklagte habe ihm dann zweimal jeweils eine 100 Gramm schwere Platte Haschisch verkauft, damit er sie weiterverkauft. Der Verkauf habe sich aber sehr schwierig gestaltet, so dass der Azubi seinem Lieferanten rund 1000 Euro schuldig blieb. Der Angeklagte habe dann mit Nachdruck die Begleichung seiner Schulden verlangt. Zunächst habe er ihm ein 350 Euro teures Fahrrad abgenommen, dann habe er gedroht, ihm einen Finger abzuschneiden, falls er nicht zahle; und schließlich habe er ihn bedrängt, sich am Raubüberfall auf die Shell-Tankstelle in Neuenstein-Aua zu beteiligen. „Ich habe gedacht, die Beute würde von meinen Schulden abgezogen“, sagte der Azubi. Die erbeuteten 460 Euro habe der Angeklagte dann aber fast allein eingesteckt.

Drei Tage später überfielen der Hauptangeklagte und der Azubi die Honsel-Tankstelle in Wehretal-Reichensachsen. Erneut habe der Angeklagte das erbeutete Geld – 317 Euro – eingesteckt. Die geraubte Stange Zigaretten wurde aufgeteilt. Wie der Azubi einräumte, war er es, der mit einer Schreckschuss- und einer Softair-Pistole die Verkaufsräume der Tankstellen betrat und die Mitarbeiter zur Herausgabe des Geldes aufforderte. Kopf des Überfalls sei aber der Hauptangeklagte gewesen, der jeweils im Fluchtwagen gewartet habe.

Nach der Überzeugung von Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald überfiel der Angeklagte zwei Tage nach dem letzten Tankstellenüberfall auch noch eine Kneipenbekanntschaft und raubte ihr auf offener Straße einen Laptop.

Beinahe filmreif

Beinahe filmreif sollte ein geplanter Raubüberfall auf eine Spielhalle in Bad Hersfeld sein. Sieben Beteiligte sollten in die Spielhalle gehen und die Mitarbeiter zwingen, den Tresor zu öffnen. Der Hauptangeklagte sagte dem Azubi bei einem Treffen am Kiosk der Schule am Obersberg, er rechne mit einer Beute von 20 000 Euro. Zu dem Überfall kam es jedoch nicht.

Die Polizei wurde auf die Täter aufmerksam, weil sich der 19-jährige Azubi, der an beiden Tankstellenüberfällen mitgewirkt hatte, einem Freund anvertraute, der draufhin die Polizei alarmierte. Die Beamten nahmen den Grebenauer fest, noch ehe der Überfall auf die Spielhalle passierte. Er führte die Ermittler schließlich auf die Spur des 18-Jährigen, der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzt. Der Azubi wird sich in einem eigenen Gerichtsverfahren verantworten müssen, ist nach seinem Geständnis aber auf freiem Fuß.

Das jetzige Verfahren wird fortgesetzt. (vn)

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