Lehre statt Hartz IV: Berufs- und Jugendhilfe Bad Hersfeld gibt jungen Leuten Starthilfe

Der Schubs ins Leben

Die jungen Auszubildenden im Lehr- und Ausbildungsrestaurant zusammen mit Lehrherren und jungen Müttern, die in Teilzeit auf eine abgeschlossene Berufsausbildung hinarbeiten. Fotos: Hornickel

Bad Hersfeld. Der Aufschwung ist da, aber er macht vor dem zweiten Arbeitsmarkt Halt. Mit Programmen für ältere Menschen, die schon länger arbeitslos sind, und eben auch für junge Leute unter 25 Jahren bietet der Landkreis mit Geld aus dem Bundeshaushalt und Bildungsträgern nun in weitaus stärkerem Maße als bisher fördernde Aktionen an.

Einer dieser Partner, der sich seit 2005 im Auftrag der Optionskommune um junge Leute mit sozialen oder schulischen Benachteiligungen kümmert, ist die Berufsjugendhilfe (BJH) Bad Hersfeld, deren bekanntestes Projekt das 1997 eröffnete Lehr- und Ausbildungsrestaurant in der ehemaligen US-Kaserne im Stadtteil Hohe Luft ist.

Probezeit durchgehalten

Hier trafen sich in einer vorweihnachtlichen Runde Jugendliche und junge Mütter mit der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz, ihren Betreuern von der Berufsjugendhilfe, den Lehrherren aus der freien Wirtschaft und Renate Holzhauer aus dem Fachreferat Arbeit U 25 im Landratsamt. Nach einem Vierteljahr haben die 22 jungen Leute ihre Probezeit absolviert und auch durchgehalten. Das freute Elke Künholz besonders. Sie ermutigte die Teilnehmer ihre zwei- oder dreijährige Ausbildungszeit durchzuhalten, denn der Mangel an Nachwuchskräften in der freien Wirtschaft sei keine Vision mehr, sondern in Teilbereichen schon Wirklichkeit.

Sieben Verkäuferinnen aus dem Raum Rotenburg und Ludwigsau absolvieren eine Ausbildung zu Verkäuferinnen bei Super-und Baumärkten in ihrem Wohnumfeld. Vier junge Männer werden zum Hochbaufacharbeiter, zum Kfz_Mechatroniker, Auto-lackierer oder Maler-Gesellen ausgebildet. Dabei sind sie 24 Stunden pro Woche im Betrieb. Zudem besuchen sie an acht Stunden in der Woche die Berufsschule und kommen wöchentlich acht Stunden in den Genuss eines Förderunterrichts, um schulische Defizite aufzuarbeiten. Alle Aufwendungen dieses so genannten Kooperationsmodells, einschließlich der Ausbildungsvergütung, trägt die Optionskommune, um Lehrherrn die Ausbildung schmackhaft zu machen.

Geld für Lehre

Jeder Ausbildungsmonat kostet im ersten Lehrjahr 227 Euro. Fünf junge Leute werden im Service und der Küche des Lehr- und Ausbildungsrestaurant ausgebildet, wobei jeder Platz monatlich 1 100 Euro kostet. 155 000 Euro lässt sich der Landkreis allein diese fünf integrativen Lehrstellen kosten. Eine sozialpädagogische Fachkraft unterstützt die Berufsausbildung und baut Brücken über die Klippen des Alltags. Ausgebildet wird in den Sparten Fachkraft für Gastronomie, Restaurantfachfrau und Koch. Für sechs alleinerziehende Mütter bezahlt der Kreis mit Landeshilfe eine Berufsausbildung in Teilzeit zur Bürokauffrau oder Rechtsanwalts-Fachgehilfin.

Von Kurt Hornickel

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