Schwierige Beweisführung im Prozess um Beziehungsstreit in einer Spielhalle

Schreie aus dem Dunkel

Bad Hersfeld. Der Saal ist groß und selbst von der mittig platzieren Theke kaum zu überschauen. Noch dazu ist es hier im Keller eines Bad Hersfelder Parkhauses stockdunkel, denn Licht spenden nur die flirrenden Lämpchen der Spielautomaten und einige Bildschirme.

Als am frühen Abend des 17. Juli vergangenen Jahres aus dem Dunkel einer Nische die Schreie einer Frau ertönten, eilte die Hallenaufsicht zwar sofort herbei, doch so richtig sehen konnte die um Ruhe und Ordnung besorgte Frau so gut wie nichts.

Und deshalb blieb es gestern im vor Strafrichter Elmar Schnelle im Amtsgericht bei zwei widersprüchlichen Aussagen – der des Angeklagten und der des Opfers.

Gefährliche Körperverletzung warf Stella Ruppel von der Staatsanwaltschaft in Fulda einem 47 Jahre alten Marokkaner aus Bad Hersfeld vor, der seine frühere Lebensgefährtin im Streit erst gewürgt, dann mit dem Knie mehrfach in den Unterleib gestoßen und dann auch zugetreten haben sollte.

Er will nur geschubst haben

„Das stimmt hinten und vorne nicht“, wehrte sich der Angeklagte, der die Frau lediglich einmal weggeschubst haben wollte, als diese wie eine Furie auf ihn losgestürmt sei. Dann habe sich die 48-jährige Türkin lauthals schreiend selbst mit den Fäusten auf den Unterleib geschlagen.

Hintergrund der Auseinandersetzung waren unterschiedliche Ansichten über den Umgang mit der gemeinsamen fünfeinhalb Jahre alten Tochter. Während die Mutter das Kind bei der großen Schwester in ausreichender Obhut sah, warf ihr der Vater Vernachlässigung vor, weil die Tochter während des Spielhallen-Besuchs der Mutter alleine zuhause gewesen sei.

Das vermeintliche Opfer hatte sich nach dem Streit wegen angeblicher großer Schmerzen mit dem Rettungswagen ins Klinikum bringen lassen, dieses aber noch am Abend wieder verlassen. Festgestellt wurden Prellungen, ein Hämatom und ein roter Fleck am Hals – zunächst als Würgemal interpretiert.

Dazu will Richter Schnelle jetzt aber doch lieber noch die behandelnde Ärztin vernehmen und vertagte die Verhandlung auf den 11. April (Beginn 14 Uhr).

Zwei kräftige Kerle

Denn die Spielhallen-Aufsicht hatte in ihrer Aussage auch auf zwei weitere Gäste hingewiesen – von ihr kurz beschrieben als „so’ne Kerle“ –, die doch bestimmt dazwischen gegangen wären, wenn sie gesehen hätten, dass in ihrer Nähe jemand eine Frau misshandelt.

Dass die Wahrheit in diesem Fall buchstäblich (noch) im Dunklen blieb, lag allerdings auch daran, dass sich bei Eintreffen der Polizei außer dem Opfer und der Aufsicht niemand mehr in der Spielhalle aufhielt.

Von Karl Schönholtz

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