Förderkreis Museum eröffnete Sonderausstellung zum 100. Todestag von Konrad Duden

Schreibe, wie du sprichst

Gedränge herrschte gestern im Kapitelsaal, als Bertold Schmidt (rechts) die Sonderausstellung zum 100. Todestag Konrad Dudens eröffnet. In der zweiten Reihe mit Bart der Ur-Enkel Dudens, Gustav.

Bad Hersfeld. Seinen Ur-Großvater hat er nie persönlich kennengelernt – Konrad Duden starb am 1. August 1911 in Sonnenberg bei Wiesbaden –, dennoch ließ es sich Gustav Duden aus Heidelberg nicht nehmen, zur Eröffnung der Ausstellung über das Leben und Werk Konrad Dudens nach Bad Hersfeld zu kommen.

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Er war gestern einer der prominenten Besucher im Kapitelsaal. Wissenschaftler, die sich mit der Rechtschreibung beschäftigen, eine Vertreterin des Duden-Verlages, ein Vertreter aus Wesel, der Geburtsstadt Konrad Dudens und viele, viele Hersfelder waren in den Kapitelsaal gekommen, wo sie unterhaltsam über das Leben und Wirken Konrad Dudens informiert wurden und dem bekanntesten Sohn der Stadt ihre Referenz erwiesen.

Arbeit als Hauslehrer

Das Leben Konrad Dudens ließ Bertold Schmidt, der Vorsitzende des Förderkreises Museum und Initiator der Ausstellung, Revue passieren. Er erzählte, dass die Eltern Dudens ihre Kinder ins Waisenhaus schickten, obwohl sie ja keine Waisen waren, weil sie auf diese Weise kostenlos das Gymnasium besuchen konnten. Nach dem Abitur studierte Konrad Duden in Bonn klassische Philologie, Germanistk und Geschichte, unterbrach das Studium aber nach zwei Jahren, um eine Stelle als Hauslehrer in Frankfurt anzunehmen. Das sei, so Schmidt, notwendig gewesen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Auch die an die Promotion anschließende Referendarzeit in Soest bricht Duden ab. Diesmal nimmt er eine Hauslehrerstelle in Genua an. Dort ist er fasziniert von der italienischen Sprache, die im ganzen Land seit Jahrhunderten einheitlich geschrieben und gesprochen wird. In Italien lernt er auch seine spätere Frau kennen, Adelinde Jakob, die Tochter des deutschen Konsuls.

1859 kehrt Konrad Duden nach Deutschland zurück und lehrt zunächst in Soest, wo er schießlich Prorektor wird. 1869 wechselt Konrad Duden nach Schleiz als Gymnasialdirektor. Er reformierte die Schule, hielt Bildungsseminare und verfasste sein erstes Werk zur deutschen Rechtschreibung, das in der Sonderausstellung zu sehen ist. Duden folgte dabei dem phonetischen Prinzip („Schreibe, wie du sprichst“).

Sieben Jahre später ging Duden nach Hersfeld, wo er Schule und Stadt „richtig aufmischte“, wie Schmidt feststellte. Er schilderte die vielfältigen Aktivitäten Dudens (wir berichteten) im Leben der Stadt, Anke Goldberg schilderte anschaulich, wie Duden am ziemlich heruntergekommenen Gymnasium aufräumte und für eine Steigerung des Niveaus und ein Absinken des Bierkonsums der Schüler sorgte.

Dudens Bemühungen um eine Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung beschrieb dagegen Bertold Schmidt.

Dass der Duden noch immer Maßstab in Sachen Rechtschreibung ist, machte Alexandra Hahn vom Dudenverlag deutlich – inzwischen auch online.

Die Dudenausstellung ist täglich außer montags von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Christine Zacharias

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