Brillantes Dozenten-Konzert zum Auftakt des Classic-Jazz-Workshops im Pier 1

Schräg und improvisiert

Mit Spaß und Leidenschaft dabei, die Dozenten des 7. Classic-Jazz-Workshops: Thomas L’Etienne, Christian Rien, Ulla Keller, Lindy Huppertsberg (am Bass) und Joe Wulf (von links). Die Dekorationen gestaltete Dieter Jung. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Ein wenig schräg, ein wenig improvisiert, aber mit einem Maximum an Spaß für Musiker und Publikum – so präsentierten die Dozentinnen und Dozenten des siebten Classic-Jazz-Workshops in Bad Hersfeld ihr Eröffnungskonzert im brechend vollen Pier 1 am Mittwochabend.

Denn eines merkten die Zuhörer schnell: Dieses Konzert ist nicht bis auf den letzten Takt durchgeprobt. Genau das macht aber auch den Reiz des Abends aus. Eine Gruppe von Vollblutmusikerinnen und -musikern, allesamt Profis und Meister ihres Fachs und vor allem leidenschaftliche Jazzer, die in dieser Zusammensetzung nur in Bad Hersfeld zu hören ist, bringt hier auf die Bühne, was jeder selbst gerne spielt.

Und dann kommt es schon mal vor, dass ein Stück erst einen halben Tag oder auch nur eine halbe Stunde vor Konzertbeginn abgesprochen wird.

Damit kokettieren die Musiker ganz bewusst und der Erfolg gibt ihnen Recht. Von Jahr zu Jahr ist das Dozentenkonzert besser besucht.

Das, was das Publikum geboten bekam, war Jazz vom Feinsten. Jede Menge alter New Orleans Jazz, aber auch eine ganze Menge heißer Samba-Rhythmen aus Brasilien. So hatten die Musiker zum Beispiel ein „uraltes“ New-Orleans-Stück ausgegraben, eine Schlussnummer, einen Rausschmeißer mit dem bezeichnenden Titel „Get out of here“. Dieses Stück entdeckte Thomas L’Etienne, Fachmann für kreolische Musik, in der Karibik. Dort wird es schon seit über 200 Jahren gespielt. Im Dialog ihrer Klarinetten demonstrierten L’Etienne und Reimer von Essen, wie sich musikalische Virtuosität mit Spielfreude verbindet.

Schlagzeug und Bass

Einen ganz ungewöhnlichen Dialog präsentierten Lindy Huppertsberg und Michael Ehret an Bass und Schlagzeug und zeigten dabei, welche Bedeutung die in der Regel im Hintergrund spielende Rhythmusgruppe hat.

Mit Soloauftritten brillierten auch Posaunist Joe Wulf, die Trompeter Christian Rien, German Marstatt und Jürgen Sprenger, Roman Klöcker an Gitarre und Banjo, und natürlich Jan Luley, Initiator und Organisator des Workshops. Gesangliche Akzente setzte Ulla Keller.

Wer noch mehr Lust auf Jazz hat, der ist heute und morgen Abend ab 20 Uhr bei freiem Eintritt zu den Jam-Sessions der Jazz-Musiker im Pier 1 willkommen. Am Sonntagabend zeigen die Workshop-Teilnehmer ab 20 Uhr beim großen Abschlusskonzert, was sie gelernt haben. Da kostet der Eintritt dann 7 Euro.

Von Christine Zacharias

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