Langjähriger Vorstandsvorsitzender Dr. Manfred Wagner geht heute in den Ruhestand

Schopenhauer statt Sparkasse

Ein Mann und seine Bücher: Dr. Manfred Wagner hat nun endlich Zeit, um die Werke von Arthur Schopenhauer zu studieren. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Selbst im Ruhestand kann Dr. Manfred Wagner sein Sparkassenleben nur schwer ablegen. Zur lässigen Jeans trägt er ein offenes weißes Hemd – immerhin ohne den charakteristischen roten Schlips, aber dafür mit Manschettenknöpfen, als er die Haustür zum Fototermin öffnet. „Ich bin eben durch und durch Sparkassen-Mann“, sagt er lächelnd.

Doch damit ist jetzt Schluss. Nach zehn Jahren an der Spitze des Vorstands der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg räumt der 60-jährige ab heute seinen Ledersessel und tritt aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand. Das Auf und Ab der Finanzmärkte hat er sich offenbar des Öftern zu sehr zu Herzen genommen.

Schopenhauer statt Sparkasse steht jetzt für Wagner auf dem Tagesprogramm. Eine große Büste des hochverehrten Philosophen schmückt das Wohnzimmer, aus dessen großer Panoramascheibe der Blick weit über die Stadt geht. Eine ganze Wand im Arbeitszimmer ist für die ledergebundenen Werke des Gelehrten reserviert. Exkursionen zu Vorträgen der Schopenhauer-Gesellschaft in Frankfurt sind für Wagner jetzt zeitlich endlich wieder drin.

Guthaben auf dem Zeitkonto

Doch noch mag sich der Sparkassenmann nicht so genau festlegen, was er denn nun mit dem neugewonnenen Guthaben auf seinem „Zeitkonto“ machen will. „Ich hatte jetzt schon drei Wochen Resturlaub, und mir war an keinem Tag langweilig“, sagt Wagner. „Ich hatte genug damit zu tun, all die Zettel abzuarbeiten, die mir meine Frau abends hingelegt hat“, berichtet er schmunzelnd.

Vielleicht wird er jetzt Alt-Griechisch lernen. „Als Ökonom möchte ich mal etwas Unproduktives machen“, erklärt er sein Faible für die „tote“ Sprache. Oder vielleicht doch lieber Spanisch? Denn eine Reise rund um die iberische Halbinsel könnte ihn auch reizen. Aber das wäre wieder ökonomisch gedacht. Sicher ist nur, dass Wagner und seine aus Bremen stammende Frau Anke Bad Hersfeld erhalten bleiben werden. Hier ist ihr Zuhause.

Noch lässt Wagner die Sparkasse aber nicht ganz los. Trotz der Finanzkrise habe die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg im vergangenen Jahr ein Spitzenergebnis im hessenweiten Vergleich erzielt. „Die Sparkasse hat sich in Zeiten der Krise als sicherer Hafen erwiesen“, sagt Wagner. Umso mehr erzürnt ihn, dass weder Anleger noch Politiker ihre Lehren aus der Krise gezogen haben und inzwischen wieder munter weiter gezockt wird.

Genauso ärgert ihn, dass nun regionale Banken wie die Sparkassen in einen Einlagensicherungsfonds einzahlen sollen, „um damit die Bank of Scotland“ zu retten. Auf die Politik ist er deshalb nicht gut zu sprechen. „Unsere politische Führungselite führt weder, noch ist sie Elite“, sagt er bitter.

Vielleicht liegt es daran, dass Wagner ohne Wehmut aus dem Vorstandsamt scheidet. Den Ruhestand habe er sich verdient, ihn wolle er nun selbstbestimmt genießen. „Freizeit heißt für mich Freiheit“, sagt Wagner – und vielleicht legt er demnächst ja auch irgendwann die Manschettenknöpfe ab.

Von Kai A. Struthoff

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