Opernfestspiele: Martin Kronthaler als Hofnarr in Verdis Oper „Rigoletto“

Schönste Rollen für den Bariton

Martin Kronthaler stellt sich mit seiner Wunschpartie Hofnarr in der Oper „Rigoletto“ einer großen Herausforderung. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. „Deshalb bin ich hier. Weil ich diese Rolle unbedingt machen wollte“, erklärt Martin Kronthaler sein zweites Engagement bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen.

Er verkörpert in Verdis Oper „Rigoletto“ den Hofnarren, „die absolut schwierigste Rolle im italienischen Fach“. Trotzdem oder gerade deswegen ist es schon immer die Wunschpartie des Baritons gewesen. Er lobt Regisseur Hugo Wieg über alle Maßen, von dem er sich in dieser „großen und schweren Rolle getragen fühlt“ und der ihn wunderbar in den Charakter dieses körperlich behinderten, vielfach verspotteten Mannes am Rand der Gesellschaft hinein führte.

„Die Ablehnung hat tiefe seelische Wunden bei ihm hinterlassen“, erläutert Martin Kronthaler, der den Bad Hersfelder Opernfreunden bereits als Don Giovanni bekannt ist. „Das war vor sechs Jahren, eine lange Zeit“, sinniert der gebürtige Tiroler, der aktuell am Theater Bremen verpflichtet ist. „Ein festes Engagement hat Vorteile. Ich war aber auch gern freischaffend, man kann selber wählen, was gut ist.“

Auch als junger Mann hat er gewählt und sich gegen den Lehramtsberuf entschieden. In seinem Heimatort Erl erlebte er während seines Studiums bei den „Tiroler Festspielen“ eine Aufführung von „Die Meistersinger von Nürnberg.“ Das erste Mal Wagner und für ihn war klar: „Das will ich probieren.“ Zwei Jahre hat er sich für den neu eingeschlagenen Berufsweg gegeben, für den man seiner Erfahrung nach viel Idealismus und das unbedingte Wollen mitbringen muss.

Nach seinen erfolgreichen Gesangsstudien begann er seine Opernlaufbahn mit Mozart- und Rossinipartien. Seine Engagements führten ihn an große Opernhäuser in Europa, aber auch in Japan und China stand er auf der Bühne. Mit seiner gefeierten Interpretation des Sixtus Beckmesser in „Die Meistersinger von Nürnberg“ kehrte er an die Bühne der Tiroler Festspiele zurück. „Da schloss sich ein Kreis.“

Heimat schaffen, wo man ist

Auf Einladung der Musikhochschule von Arequipa/Peru gab Kronthaler zwei Mal eine Meisterklasse für Gesang und Interpretation des deutschen und italienischen Repertoires. Der Reiselust des Opernsängers, der Geografie und Englisch studiert hat, kommt das natürlich entgegen. Mit den häufigen Ortswechseln hat er kein Problem: „Man muss Heimat dort schaffen, wo man ist.“ Die ist momentan in Bad Hersfeld.

Die Umgebung erkundet er mit seinem mitgebrachten Fahrrad. Wenn er dafür Zeit hat und von den Proben nicht zu erschöpft ist. „Dann lege ich mich einfach ins Gras.“ Energie tanken für seine Wunschpartie. „Die Konkurrenz unter den Baritonen ist groß, aber sie bekommen die schönsten Rollen.“

Er möchte noch viele Rollen mit Leben füllen, hat aber auch schon Pläne für die Zukunft. „Später, wenn ich nicht mehr so viel singe, will ich unterrichten. Mein Wissen weitergeben als Dank für das Gute, das ich bekommen habe.“

Von Gudrun Schmidl

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