Bad Hersfeld liest ein Buch 2013: Jury schlägt Bestseller „Er ist wieder da“ vor

Schnelle Entscheidung

Ganz oben: Seit Wochen ist „Er ist wieder da“ die Nummer eins der Bestsellerliste. Jetzt wurde der Roman von Timur Vermes für die Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ ausgewählt. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Die Entscheidung fiel so schnell wie niemals zuvor: Nach nur einer Sitzung schlägt die Auswahl-Jury für die Literatur-Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch 2013“ den Roman „Er ist wieder da“ von Timur Vermes vor.

Die aktuelle Nummer eins der Spiegel-Bestsellerliste war einer von 18 Titeln, die interessierte Hersfelderinnen und Hersfelder eingereicht hatten. Das letzte Wort hat jetzt noch der Magistrat, der einen entsprechenden Beschluss fassen muss.

Der Kurzinhalt von „Er ist wieder da“ liest sich zunächst wie ein schlechter Scherz: Im Sommer 2011 erwacht Adolf Hitler – so, als ob nichts gewesen wäre – 56-jährig auf einem Grundstück in Berlin-Mitte und taucht ein ins heutige Leben der Hauptstadt.

Dabei bleibt Hitler Hitler: Er denkt und sagt das, was er schon immer gedacht und gesagt hat. Damit löst er nicht etwa blankes Entsetzen aus, sondern wird vereinnahmt: vom Fernsehen, vom Internet und der Zeitung mit den großen Buchstaben. Alle wetteifern darum, ein Stück vom „irren youtube-Hitler“ abzubekommen. Hitler wird gesellschaftsfähig, sogar bei den demokratischen Parteien...

Der Journalist Timur Vermes hat mit seinem Romandebüt etwas Ungewöhnliches geschafft: „Er ist wieder da“ ist nämlich einerseits urkomische Comedy, andererseits jedoch eine punktgenaue Analyse dessen, wie die heutigen Medien ticken und was sie anrichten können. Und deshalb wohnt seinem Buch auch ein tiefer Ernst inne, der den Zustand unserer Gesellschaft erschreckend treffend beschreibt.

Die Auswahl-Jury sah in diesem Roman zahlreiche Anknüpfungspunkte für Diskussionsveranstaltungen und den Schulunterricht. Das Dritte Reich dabei nicht wie üblich über das Dritte Reich, sondern anhand dieses literarischen Kabinettstückchens erklären zu können, war dabei nur ein Aspekt. Auch die braune Vergangenheit der Stadt könnte thematisiert werden.

Darüber hinaus gibt des durch die neuen Medien etliche Bezüge zum Buch des vergangen Jahres „Die Frau, für die ich den Computer erfand“ von F.C. Delius.

Fix wurde die Entscheidung der Jury durch die zwischenzeitliche Zusage des Autors, für Lesungen nach Bad Hersfeld zu kommen. (ks)

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