„Geistervilla“ Am Weinberg steht noch immer leer – Eigentümer hat wieder gewechselt

Ein Schmuckstück verfällt

Einst Schmuckstück, jetzt Schandfleck: Die 1909 erbaute und unter Denkmalschutz stehende „Geistervilla“ Am Weinberg 13 steht seit vielen Jahren leer und verkommt immer mehr. Die Pläne, das Haus in Hanglage zu sanieren, sind bislang nicht umgesetzt worden. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Das rostige Eingangstor ist mit einer Kette und einem Vorhängeschloss gesichert, dabei ist das im Licht rot schimmernde Haus wegen des fehlenden Zauns frei zugänglich. Einzig das wuchernde Gestrüpp versperrt den Weg zu der 1909 erbauten und seit vielen Jahren leerstehenden „Geistervilla“ Am Weinberg 13 – und ein kleines Schild weist darauf hin: Betreten verboten.

„Ich habe das Gefühl, manchen Dingen haftet ein Fluch an“, sagt Bad Hersfelds Bauamtsleiter Johannes van Horrick mit Blick auf die Villa. Eigentlich sollte die Problemimmobilie in bester Kurparklage nach Insolvenzverfahren, Zwangsversteigerungen und wechselnden Eigentümern längst saniert worden sein. Eigentlich – denn seit zuletzt 2008/2009 die Pläne des damaligen Eigentümers publik wurden (HZ berichtete) ist nicht viel passiert.

Der Unternehmer, der eine Döner-Kette mit Sitz in Eisenach betreibt, habe das Objekt inzwischen an seinen Sohn verkauft. „Wir wollen das Haus immer noch sanieren oder verkaufen“, sagt dieser. Es gebe auch zwei Kaufinteressenten. Zu den Gründen, warum aus der Sanierung bislang nichts geworden sei, möchte sich der neue Eigentümer nicht weiter äußern, nur so viel: „Es gab Probleme.“

„Es ist eine Schande“

Die Pläne für die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Villa hatte damals der Kasseler Architekt Karl-Heinz Junge gemacht, der über den Vorbesitzer Kontakt zum damaligen Eigentümer hatte. „Die Pläne, die Ausarbeitungen und die Ausschreibungen waren fertig“, erinnert er sich. „Ich war sogar mit Firmen draußen.“ Doch dann sei der Baustart plötzlich verschoben worden. Seitdem habe er nie wieder etwas von seinem einstigen Auftraggeber gehört.

Die „Geistervilla“, der er vor nicht allzu langer Zeit mal einen Besuch abgestattet habe, liegt ihm dennoch am Herzen: „Es ist eine Schande, dass so ein Bauwerk verfällt. Ich fürchte, es fällt irgendwann zusammen.“

Um die Bausubstanz macht sich Johannes van Horrick weniger Sorgen. „Das Dach ist bislang dicht, das Mauerwerk und der Putz sind in Ordnung und durch die kaputten Fensterscheiben wird das Gebäude belüftet“, so der städtische Bauamtsleiter, der auf einen letzten Kontrollgang 2011 verweist. Mit der Vergangenheit und den Schwierigkeiten mit den wechselnden Eigentümern des einst schmucken Bauwerks könne man einen ganzen Roman füllen, so van Horrick. Wenigstens habe es in letzter Zeit keine Schwierigkeiten mit Hausbesetzern oder Vandalen gegeben.

Eine Sanierung des über hundert Jahre alten Hauses mit etwa 400 Quadratmeter Wohnfläche würde sicher rund eine Million Euro kosten, schätzt der Bauamtsleiter, auch bei der Nutzung müsse man Kompromisse machen. Durch die Lage am Hang sei es etwa für Seniorenwohnungen nicht geeignet.

Der Eigentümer scheint es indes nicht besonders eilig zu haben, und so lange bleibt die „Geistervilla“ wohl vorerst, was sie ist.

Von Nadine Maaz

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