250 Dinge (183): Jüdischer Friedhof Rotenburg

Schmuckstück und Mahnmal

346 Grabsteine sind erhalten geblieben, der älteste ist von 1743. Foto: Meyer

Rotenburg. Der Ort ist beides: einerseits ein besonderes Schmuckstück und wertvolles kulturelles Zeugnis, andererseits erinnert er an die Verbrechen der Nationalsozialisten, die in Rotenburg die jüdische Gemeinde ausgelöscht haben. In einem Winkel neben dem Herz- und Kreislaufzentrum am Hausberg versteckt sich Rotenburgs jüdischer Friedhof.

Nachweislich bestatteten seit 1682 die Juden im Amt Rotenburg ihre Toten hier. Der Ort diente bis ins späte 19. Jahrhundert als Zentralfriedhof auch für die Verstorbenen aus den Übrigen Gemeinden des Amtes, das sich bis Baumbach und Ronshausen ausdehnte. 346 Grabsteine sind erhalten geblieben. Der älteste datiert von 1743. Die letzte Bestattung war im Mai 1938.

Friedhof im Wandel der Zeit

Der Rotenburger Dr. Heinrich Nuhn hat zur Geschichte jüdischer Familien in der Region geforscht und ist auch Kenner des Friedhofs. Wachsender Wohlstand zeige sich in der zunehmend aufwändigeren Gestaltung der Grabstätten im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Im ausgehenden 19. Jahrhundert näherte sich die Gestaltung den christlichen Gebräuchen, berichtet er. Außerdem fänden sich neben den hebräischen Inschriften mehr und mehr deutsche, die auch Auskunft über Leistungen und Charakter des Verstorbenen gäben.

Auf der Internetseite www.hassia-judaica.de erläutert Dr. Nuhn Besonderheiten einzelner Grabsteine. So ziert etwa Eichenlaub den Stein für Wolf Sommer. Die Eiche, schreibt Dr. Nuhn, sei zwar in der alttestamentarischen Tradition verwurzelt, aber man könne in der Verwendung von Eichenblättern ein Zeichen der Verbundenheit der Juden mit ihrer deutschen Heimat sehen.

„Umso mehr beschämt steht man heute vor Grabsteinen von Juden, deren Nachkommen so grausam um die Hoffnung betrogen wurden, als gleichberechtigte Deutsche in Ruhe und Frieden in ihrer geliebten Heimat zu leben.“

Von Achim Meyer

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