Schluss-Wirbel, Teppich-Gemurre und Kürzel-Chaos

Karl Schönholtz

Wenn wir in diesen Tagen bei den Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine oder auf der Wiese daneben sitzen und uns vom Geschehen auf der Bühne unterhalten lassen, dann sehen wir das Ergebnis wochenlanger Vorbereitungen. Davon geht zumindest Otto Normalzuschauer aus, wurde doch der Probenbeginn für alle Produktionen mit großem Tamtam für die Medien zelebriert.

Dass bei der Premiere mitunter jedoch etwas gezeigt wird, was erst in letzter Minute entstanden ist oder entschieden wurde, das mag man kaum glauben. Ist aber so, wie durch die quasi öffentlichen Proben für die „Sommernachts-Träumereien“ den vielen Zaungästen nicht verborgen bleiben konnte. Noch in dieser Woche – gestern Abend war die erste Vorstellung – wurde die Inszenierung gemeinsam mit Intendant Dieter Wedel gehörig durcheinander gewirbelt. Da wurde gekürzt, gestrichen, umgestellt und neu geprobt, alles kurz vor knapp und nicht immer bei Zimmerlautstärke. Fragt man bei den Festspielern nach, bekommt man mit wissendem Lächeln zur Antwort: „So ist das eben beim Theater“. Ja, so ist das eben – und nicht nur beim Theater. Denn Hand aufs Herz, wir Zeitungsleute wissen genauso gut, wie es ist, wenn kurz vor Redaktionsschluss die bessere Nachricht als Feind der guten auf den Tisch kommt und das fast fertige Blatt noch einmal umgeschmissen werden muss.

Ein bisschen Gemurre hat es auch am Rand des roten Teppichs zur Festspieleröffnung gegeben – und zwar von denen, die nicht drauf durften. Dabei war doch von vornherein klar, dass die Fotografen der bunten Blätter ihre Kameras nicht für unbekannte Lokalpolitiker, sondern nur für Promis wenigstens der Güteklasse B zücken würden. Trotzdem hatten es am Ende auch ein paar Einheimische auf den Teppich geschafft – nicht alle freiwillig. Während ein lokaler Geschäftsmann und eine Unternehmerin offenbar für sich entschieden hatten, über den Teppich zu wandeln, weil es ihnen niemand ausdrücklich verboten hatte, wurde eine Platzanweiserin der Festspiele kurzerhand vereinnahmt: Der TV-Moderator Cherno Jobatey schnappte sich die hübsche junge Dame vom Teppichrand und verkündete, sie sei seine neue Freundin. Selbstverständlich machte die Entführte gute Miene zum nicht böse gemeinten Spiel und gelangte so auf manches Zeitungsfoto.

Früher gab’s bei uns mal drei Fernsehprogramme zu gucken, dazu DDR I. das ist heute anders, die Zahl der Sender ist Legion. Genauso bei den politischen Gruppierungen: Bei den vielen, vielen Kürzeln von NBL, UWG, WGH, BfH und so weiter in den kommunalen Parlamenten weiß keiner mehr auf Anhieb, woher sie kommen und wofür sie stehen. In Heringen gibt’s jetzt wieder was Neues, die „GfH“.

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