HZ-Interview: Eckhard Möller von der Psychologischen Beratungsstelle über Trennungen

Schluss zur Silberhochzeit

Hersfeld-Rotenburg. Nicht für alle Paare ist die Silberhochzeit ein Grund zum Feiern. Immer mehr Ehepartner, die lange Zeit miteinander verbracht haben, trennen sich oder geraten zumindest ins Grübeln über ihre Beziehung und suchen Rat bei Außenstehenden. Auch in der Psychologischen Beratungsstelle des Zweckverbandes der Diakonie in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg wurde dies registriert. Die Anzahl der Paarberatungen hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Wir sprachen darüber mit Eckhard Möller, dem Leiter der Psychologischen Beratungsstelle.

Herr Möller, etwa 20 Prozent aller Scheidungen werden nach neuesten Erhebungen von Paaren beantragt, die über 20 Jahre lang verheiratet waren. Woran liegt das?

Eckhard Möller: Ein wichtiger Punkt ist sicher der Auszug der eigenen Kinder. Jeder hatte seine Familienverpflichtungen. Wenn die wegfallen, merken viele Paare erst, dass sie sich in all den Jahren aus den Augen verloren haben. Ein anderer Grund ist, dass vielen Paaren die Phase der Eigenständigkeit vor der Ehe fehlt. Sie sind meist in den 50er Jahren geboren worden und mit traditionellen Rollenbildern aufgewachsen. Sie haben sich verliebt, als sie noch im Elternhaus wohnten, und haben dann gleich geheiratet. Erst spät entdecken sie diese Sehnsucht nach dem völlig selbstbestimmten Leben.

Welche Gründe geben Paare für den Trennungswunsch an, wenn sie zu Ihnen in die Beratung kommen?

Eckhard Möller. Da gibt es mehrere Kategorien: Zum Beispiel die plötzliche Trennung, wenn einer der beiden Partner die bisherigen Vereinbarungen eklatant gebrochen hat. Das kann zum Beispiel dadurch sein, dass er neben der Ehe eine neue Beziehung beginnt. Dann gibt es Paare, die nach der Familienphase glauben, ihre Beziehung habe eigentlich nie richtig gestimmt und sei nur aus der Verpflichtung heraus aufrechterhalten worden. Schließlich gibt es noch die Krise durch gesundheitliche Probleme. Wenn man in der Mitte des Lebens ernsthaft erkrankt, macht man sich Gedanken über die eigene Endlichkeit. Das löst auch bei manchen die Reaktion aus: Dann will ich aber nicht mehr weiterleben wie bisher.

Aber Paare, die zu Ihnen kommen, wollen doch die Beziehung nicht wirklich aufgeben. Sonst suchten sie doch keine Beratung.

Eckhard Möller: Die meisten suchen wirklich Rat. Aber es gibt auch welche, die kommen zur Selbstlegitimation. Dann können sie sagen: Ich hatte doch Recht. Es hat keinen Zweck mehr mit uns. Selbst Eheberatung nützt nichts mehr.

Wer schlägt den Gang zur Eheberatung vor?

Eckhard Möller: Das sind überwiegend die Frauen.

Was passiert bei einer Paarberatung?

Eckhard Möller: Wir beraten ergebnisoffen, haben also weder die Trennung noch den Zwang zum Erhalt der Beziehung als Ziel. Das Wichtigste ist, dass Paare wieder miteinander ins Gespräch kommen. Als Außenstehende können wir eingefahrene Muster in der Kommunikation erkennen und mit den Paaren Möglichkeiten erarbeiten, besser miteinander umzugehen. Viele kommen und sagen: Mein Partner muss sich ändern, damit unsere Beziehung besser wird. Das Wichtigste in der Paarberatung ist aber, den Blick darauf zu richten: Was kann ich tun, damit unsere Beziehung besser wird. Jeder kann nur das eigene Verhalten ändern, nicht das des Partners.

Was raten Sie Silberpaaren und solchen, die es werden wollen?

Eckhard Möller: Kommunikation ist das A und O in einer Beziehung. Paare sprechen oft nur noch über die Alltagsbewältigung. Aber über das Wesentliche wird nicht mehr gesprochen: Wo steht mein Partner? Wie kann ich ihn unterstützen? Was wünsche ich mir von ihm? Einen eklatanten Mangel an Kommunikation gibt es auch im Bereich der Sexualität. Es ist ganz erstaunlich, wie sprachlos manche Paare in diesem Bereich sind. Durch diese Schweigsamkeit erhalten die persönlichen Wünsche und Vorstellungen eine unnötige Brisanz in der Beziehung.

Warum sprechen Paare nicht über ihre sexuellen Bedürfnisse?

Eckhard Möller: Sexualität ist etwas sehr Intimes. Manche schweigen aus Scham, andere schlicht aus Unkenntnis von köperlichen Vorgängen oder ihrer eigenen Bedürfnisse.

Man muss also ständig im Gespräch bleiben.

Eckhard Möller: Kommunikation ist mehr als Reden. Man muss sich wahrnehmen und ein Gefühl für den Partner haben. Paare müssen achtsam miteinander umgehen.

Kontakt: Psychologische Beratungsstelle, Telefon 06621/14695 oder per E-Mail: psyeb.diakonie.hefrof@ekkw.de. Die Beratung ist kostenlos.

Von Silke Schäfer-Marg

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