250 Dinge, die wir an der Region mögen (83): Der Kathuser Wilddieb

Schlingen und Gewehre

Ein Hingucker: Das Wilddieb-Denkmal in Kathus Foto: Otto/nh

Kathus. Mitte Mai feiern die Kathuser wieder ihre „Wilddieb-Kirmes“: Inzwischen akzeptieren die Bewohner des Bad Hersfelder Stadtteils ihren Spitznamen so sehr, dass sie nicht nur ihre Kirmes danach benannten, sondern im Jahre 2005 das Wilddieb-Denkmal feierlich enthüllten. Bei der Einweihung sangen die Kathuser ihre „Hymne“, das „Wilddieblied“, und die neue Kapelle „Die Wilddiebe“ zog in entsprechender Kleidung auf dem Lindenplatz ein und sorgte für zünftige Unterhaltung.

Bronzefigur

Der 1,75 Meter große Wilddieb wurde im Atelier des Bildhauers Herbert Holzheimer in der bayrischen Rhön geschaffen und in Nürnberg in Bronze gegossen. Er steht an der Ecke Rehgarten-Borngraben und schaut zurück Richtung Seulingswald, um sich zu vergewissern, dass er nicht verfolgt wird. Im Rucksack seine Beute, verbirgt er unter dem langen Mantel seine Flinte, die rechte Hand am Schaft. Schlapphut und derbe „Näälschoh“ (Nagelschuhe) dürfen nicht fehlen. Vom Standort des Wilddiebs sind es nur noch wenige Schritte bis zur ehemaligen „Alten Kapelle“, in deren Obergeschoss der bekannteste Kathuser Wilddieb – genannt „Mooge“ – lebte. Manche Kathuser behaupten sogar, das Denkmal habe Mooges Gesichtszüge. Da im Rahmen der Dorferneuerung nur ein Kunstwerk (der Brunnen „Die vier Elemente“) gefördert werden konnte, war Fabrikant Heinrich Leist bereit, das Wilddieb-Denkmal zu finanzieren.

Interessant ist die Frage, wie die Kathuser zu ihrem Spitznamen kamen bzw. warum er gerade an den Kathusern hängenblieb, obwohl früher fast überall gewildert wurde.

Kathus liegt am Rande des Seulingwaldes, dem bevorzugten Jagdrevier der hessischen Landgrafen, die den Wildreichtum ihres Waldes sehr förderten. Aber nicht nur Gelegenheit macht Diebe, sondern besonders die Armut und der Hunger vieler Bewohner. Das Wildern mittels Drahtschlingen und Gewehren war deswegen sehr verbreitet, obwohl es immer strengstens verboten war, zeitweise sogar bei Todesstrafe!

Umfangreiche Akten

Umfangreiche Akten, die überführte und bestrafte Wilddiebe, der Wilderei verdächtige Personen und deren vermeintliche Unterstützer namentlich nannten, wurden besonders im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt. Darin wurden zwar viele Kathuser der Wilderei verdächtigt, aber nur wenige überführt und verurteilt. Auch der Revierförster von Friedewald verdächtigte im Jahre 1858 „alte Wilddiebe von Cathus“, hatte aber keine Beweise. Diese Verdächtigungen trugen wahrscheinlich zur Mythenbildung und zur Entstehung des Spitznamens „Wilddiebe“ bei.

Zahlreiche Wilddiebgeschichten wurden mündlich überliefert und sind nun in der Kathuser Chronik nachzulesen.

Von Karlheinz Otto

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