Dr. Wolff-Günther Gebauer über den Einfluss von Düngung auf Ackerpflanzen und Trinkwasser

Schlechte Böden, wenig Regen

Richtig düngen ist eine Kunst: Im vergangenen Jahr (Foto mit Dr. Wolff-Günther Gebauer) war vor allem die Wintergerste vom Februar-Frost betroffen. Besonders traf es die Pflanzen, die aufgrund üppiger Düngung schon voll im Wachstum waren. Archivfoto:  Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Wenn Getreide, Raps oder Mais optimal mit organischem (Gülle und Mist) und mineralischen Nährstoffen versorgt werden, bringen sie den bestmöglichen Ertrag. Wenn optimal gedüngt wird, dann wachsen die Pflanzen gut und verbrauchen die Nährstoffe. Nitrat gelangt dann nicht in das Grundwasser, aus dem wir über Quellen und Tiefbrunnen unser Trinkwasser gewinnen. Wir sprachen mit Dr. Wolff-Günther Gebauer von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW) über die Zusammenhänge.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu düngen?

Dr. Wolff-Günther Gebauer: Die Gülle-Lager der Landwirte sind jetzt voll. Sobald es trocken ist und die Böden befahrbar sind, wird die Gülle auf die Felder gebracht. Es ist gut, wenn die Temperatur noch niedrig ist, weil weniger Stickstoff in die Luft geht. Es riecht dann auch weniger. Der Dünger ist wirkungsvoller und steht den Pflanzen zur Verfügung, sobald sie anfangen zu wachsen.

Wann beginnt das Wachstum?

Gebauer: Bei etwa drei Grad Luft- und Bodentemperatur. Das ist in unserer Region etwa um den 10. März der Fall, bei fünf Grad geht es richtig los. Die Daten der AGLW-Wetterstation in Alheim-Niedergude zeigen uns, dass dies etwa um den 20. März der Fall ist. Vorher sollte gedüngt sein.

Wird denn nicht jedes Jahr gleich gedüngt?

Gebauer: Es gibt zwar ein Schema, aber viel hängt von der Witterung ab, denn Niederschläge und Bodenwasser begrenzen den Ertrag. Regen kann ich nicht steuern, aber Dünger. Hat sich der Raps wie im vergangenen Herbst schon sehr gut entwickelt, wie wir anhand von Blattgewichtsermittlungen auf 55 Feldern gemessen haben, muss ich ihn um bis zu 40 Kilogramm Stickstoff pro Hektar weniger düngen. Auch das gut entwickelte Getreide braucht zunächst weniger Stickstoffdünger. Die Erträge sind in der Region sehr unterschiedlich, bei Gerste zum Beispiel liegen sie in Kleinensee im Durchschnitt der vergangenen Jahre auch aufgrund von Wildschäden bei nur 40 Doppelzentnern (dz), in Rotenburg und Unterhaun bei rund 70dz. Entsprechend weniger oder mehr muss gedüngt werden.

Sie haben auch Raps und Mais in der Region untersucht. Mit welchem Ergebnis?

Gebauer: Unsere Daten zeigen, dass die Erträge bei Raps und Getreide in den jeweiligen Gemarkungen nicht nur wegen Trockenperioden oder Frost niedriger waren als erwartet, sondern auch in Jahren mit vielen Niederschlägen. Bei Raps lag der Durchschnitt bei 35 Doppelzentnern und nur auf einem Viertel der Flächen bei 40. Entsprechend unterschiedlich hoch muss die Stickstoffdüngung ausfallen.

Wie sehen Ihre Ergebnisse beim Mais aus?

Gebauer: Die vergangenen drei Jahre waren gute Maisjahre, der Ertrag stieg jedes Jahr, obwohl immer weniger Stickstoff eingesetzt wurde. Das heißt, das Nitrat geht in die Pflanzen, bleibt also nicht im Boden und geht auch nicht von dort weiter ins Grundwasser. Das ist unser Ziel. Dabei haben wir gemeinsam mit unseren Landwirten große Fortschritte erreicht. Denn mittlerweile sinken die Nitratgehalte in vielen Quellen und Tiefbrunnen der AGLW-Mitgliedsgemeinden.

Was brauchen Pflanzen außer Stickstoffdünger noch an Nährstoffen?

Gebauer: Wichtig sind nicht nur die richtige Verteilung und Menge von Gülle und mineralischem Stickstoffdünger. Wir haben festgestellt, dass ein Viertel der Flächen bei uns zu niedrige ph-Werte haben. Der Ertrag bei Gerste oder Weizen steigt aber von einem sehr niedrigen bis zum optimalen ph-Wert um bis zu 25 dz an. Beim Phosphat liegen die Unterschiede bei etwa 10 Doppelzentnern. Ein Drittel der Getreidepflanzen weisen außerdem Schwefelmangel auf. Eine Kalk-, Phosphat- oder Schwefeldüngung fördert also den Ertrag und dadurch die Ausnutzung des gedüngten Stickstoffs. Dieser belastet dann nicht unser Trinkwasser.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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