CDU beklagt das Fehlen eines Gymnasiums

Schlagabtausch über „Schülerflucht“

Hersfeld-Rotenburg. Zwischen CDU und SPD ist ein Streit um die Bildungspolitik im Landkreis entbrannt. Der CDU-Fraktionschef im Kreistag, Herbert Höttl, hatte kritisiert, dass zu viele Schüler in Thüringen unterrichtet werden, weil im Kreis Hersfeld-Rotenburg ein echtes Gymnasium fehle. Der für Schulpolitik zuständigen Vize-Landrätin Künholz (SPD) warf Höttl vor, sie wisse nicht, was im Landkreis vor sich gehe, weil sie keine konkreten Zahlen zur „Schülerflucht“ nach Thüringen vorgelegt habe.

Vollmer nennt Zahlen

Die liefert nun der bildungspolitische Sprecher der SPD, Karsten Vollmer, nach. Die Abwanderung von Schülern aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg habe sich zwischen 2010 und 2012 um 51 auf insgesamt 1120 Schüler reduziert. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Einpendler um 174 Schüler gestiegen, von 686 im Jahr 2010 auf insgesamt 860 in 2012.

„Das ist respektabel für einen Flächenlandkreis, der seit Jahren zuschauen muss, wie die CDU/FDP-Landesregierung vor allem den heimischen Berufsschulen die Angebote verweigert und damit Berufsschüler zwingt, in andere Landkreise zu wechseln“, erklärt Vollmer und weist Höttl zurück. Der Landkreis habe 2012 einen Betrag von 439 000 Euro an Gastschulbeiträgen entrichtet – eingenommen habe er von Gastschülern nur 284 901 Euro. Allerdings sei diese Differenz in den vergangenen zwei Jahren deutlich rückläufig.

Auch der Blick auf die Gymnasialzahlen spreche eine deutliche Sprache: Alleine 100 Schüler pendeln an allgemeinbildende gymnasiale Systeme im Landkreis, demgegenüber verlassen 72 den Landkreis. „Mathematisch vertritt Herr Höttl eine ziemlich exklusive Meinung, hieraus eine Schülerflucht abzuleiten – im Gegenteil: 28 mehr Ein- als Auspendler besuchen bei uns Schulen, an denen sie ihr Abitur ablegen können“, schreibt Vollmer in einer Presseerklärung.

SPD: Gutes Angebot

Seit Jahrzehnten erhielten alle Schüler im Landkreis qualitativ gute gymnasiale und berufliche Bildung in den vorhandenen Schulformen. Jeder habe die Chance, das Abitur im Landkreis abzulegen. „Die Forderung Herrn Höttls nach einem Gymnasium ist ein Vorgang, der umso bemerkenswerter erscheint in einer Zeit, in welcher ganz Hessen über den Unsinn der Schulzeitverkürzung in G8-Modellen diskutiert“, meint Vollmer.

Zudem setze sich die SPD dafür ein, alle schulischen Angebote im Landkreis zu erhalten und auszubauen. (kai)

Kommentare