Erste öffentliche Diskussion der Hersfelder Bürgermeisterkandidaten beim Frauennetzwerk

Schlagabtausch ohne Opfer

Der erste öffentliche Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten: Michael Kreher, Martin Gröll, Willi Saal (alle parteilos), Thomas Fehling (FDP) und Gunter Müller (SPD) auf dem Podium des Frauennetzwerks (von links nach rechts). Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Zum ersten öffentlichen Schlagabtausch wagten sich die Bad Hersfelder Bürgermeisterkandidaten gleich in die Höhle der Löwinnen. Die fünf Männer stellten sich den Fragen des Frauennetzwerks, ohne sich dabei aber auf die drei „K’s“ – Kinder, Küche, Kirche – zu beschränken. Die Moderatorinnen Christine Zacharias (Hersfelder Zeitung) und Petra Schmerbach-Mank nahmen die Kandidaten stattdessen mit auf eine „Tour d’ Horizon“ durch die Gemeinde.

Wirtschaft und Familien

Die Kandidaten nutzten das Forum, um ihre thematischen Schwerpunkte vorzustellen. Martin Gröll nannte den demografischen Wandel sowie die Förderung des Wirtschaftsstandortes als vordringliche Anliegen. Hans-Wilhelm Saal plädierte für den Umbau der Stadtverwaltung zu einer „dialogorientierten“, kosteneffizienten Einrichtung und will den Gesundheitsstandort Bad Hersfeld stärken.

Thomas Fehling (FDP) will sich für hochwertige Arbeitsplätze auch im produzierenden Gewerbe einsetzen und Bad Hersfeld als „Wohlfühlstadt“ gerade für junge Familien attraktiv erhalten. Gunter Müller (SPD) erklärte, er wolle sich für Chancengleichheit bei Jugendlichen, frühkindliche Bildung, Familienfreundlichkeit und eine neue Energiepolitik einsetzen. Michael Kreher nannte seine „Unzufriedenheit mit der Politik“ als Motiv für seine Kandidatur. Er wolle sich für „den kleinen Mann“ einsetzen, dessen Probleme er aus eigener Anschauung kenne.

Weitgehend einig waren sich die Kandidaten bei der Frage nach der Förderung von Jugendlichen. Alle lobten die bestehenden Angebote, vor allem von Stadtjugendpflege und freien Trägern, die sie weiter unterstützen wollen. Sie verwiesen aber auf die knappen Kassen.

Vor dem Hintergrund der Diskussion um Thilo Sarrazin wurde auch über das Thema Integration diskutiert. Müller plädierte dabei für „Bildung, Bildung, Bildung“ – und zwar so früh wie möglich. Gröll setzt ebenfalls auf frühkindliche Sprachförderung, machte aber klar, dass die Stadt nicht „alle Probleme heilen könne“.

„Grandiose Vereinsarbeit“

Fehling wies darauf hin, dass in Bad Hersfeld 83 Nationen zusammenlebten und nannte die Initiative Teremok als „exzellentes Beispiel für gelungene Integrationsarbeit“. Er forderte aber auch die Integrationswilligkeit der Zuwanderer. Saal lobte in diesem Zusammenhang die „grandiose Arbeit der Vereine“, die aber zu wenig gewürdigt werde. Michael Kreher schlug vor, den Zuschuss für die Festspiele radikal auf maximal 500 000 Euro zu reduzieren, die Rollen mit Laien zu besetzen und das so gesparte Geld für andere Projekte einzusetzen.

Alle für Gleichstellung

Einig waren sich die Kandidaten bei einer Frage der Frauenbeauftragten Andrea Fink-Jacob: Eine gesetzlich vorgeschriebene Gleichstellungsbeauftragte soll auch in Bad Hersfeld eingesetzt werden.

Auch sonst blieb die große Kontroverse aus. In vielen Fragen zeigten sich die Kandidaten sogar einig. Nur Gunter Müller, der stark sein sozialdemokratisches Profil betonte, und Martin Gröll, der auf seine Erfolge in Friedewald pochte, gerieten etwa bei Fragen der Wirtschaftsförderung aneinander. Der erste Schlagabtausch forderte aber noch keine Opfer.

Von Kai A. Struthoff

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