Anwohner am Wendeberg müssen hohe Anliegergebühren für Straßenbau zahlen

Schlaflos Am Steffen

Sorgenvolle Gesichte Am Steffen: Reiner Knott, Margarete Winter, Hans Otter, Maren Poppe und Günter Skroch sind nur einige der Anlieger, die nun viel Geld für ihre neue Straße bezahlen sollen. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Seit Monaten litten die Anwohner der idyllischen Straße „Am Steffen“ in Bad Hersfeld unter Ungewissheit. Gestern wurde aus banger Sorge bitterer Ernst. Nach langem Warten flatterten den Anwohnern die Bescheide über die Anliegergebühren für den Ausbau ihrer Straße ins Haus. Für viele der zumeist älteren Anwohner sind die Kosten kaum zu tragen, zumal sie in keinem Verhältnis zum eigentlich Wert der Immobilien stehen.

Kaum Informationen

Am 4. Juni vergangenen Jahres hatte die Stadt die Grundstückseigentümer erstmals über eine grundhafte Erneuerung ihrer Straße verbunden mit Kanalsanierungen informiert. Dazu gehörten auch Arbeiten an Stützmauern, denn die kleine Anwohnerstraße am Wendeberg oberhalb des Landratsamts liegt teilweise steil am Hang. Die Arbeiten hatten zu dem Zeitpunkt allerdings bereits begonnen.

„Erst als sich die Anlieger vehement mündlich und schriftlich wehrten, wurde kurzfristig eine Informationsveranstaltung für den 8. Juli einberufen“, erzählt Maren Poppe, die Am Steffen 32 wohnt. Über die fälligen Anliegerbeiträge gab es allerdings nur vage Auskünfte. Bauamtsleiter Johannes van Horrick habe nur auf Nachfragen mitgeteilt, dass bei vergleichbaren Objekten Kosten von etwas 25 Euro pro Quadratmeter des anliegenden Grundstücks anfallen, erinnert sich Maren Poppe. Dabei liege aber der Bodenrichtwert Am Steffen ohnehin nur bei 40 Euro pro Quadratmeter.

Kosten enorm erhöht

Zwischenzeitlich machten Gerüchte die Runde, dass sich die Kosten enorm erhöht hätten, weil der Neubau der Stützmauern sehr viel teurer geworden sein soll. Damit hatte die Angst Am Steffen Einzug gehalten. Nach bangem Warten kamen nun gestern die ersten offiziellen Bescheide mit einer vorläufigen Schätzung der Kosten. Dabei erfuhren die Anwohner, dass die Baukosten für die Stützmauern auch auf die Anlieger am nahen Beckersgraben umgelegt werden sollen. Trotzdem bleiben die Kosten für die Einzelnen sehr hoch.

„Ich soll für meine rund 850 Quadratmeter knapp 35 000 Euro bezahlen, dazu kommen noch Kanalanschlussgebühren“, berichtet etwa Günter Skroch. Sein Nachbar Hans Otter soll über 27 000 Euro zahlen. Bei Maren Poppe fallen knapp 35 000 Euro an „Hier wohnen vor allem ältere Leute, wer gibt uns denn noch Kredit“, sorgt sich Günter Skroch.

„Mein Haus war meine Alterversorgung“, erzählt die 65-jährige Margarete Winter, die in einem gemütlichen Holzhäuschen Am Steffen 30 wohnt. Sie habe keine entsprechenden Rücklagen und so schon viele sorgenvolle, schlaflose Nächte verbracht.

Keine Mitsprache

„Wenn wir schon so viel Geld zahlen sollen, dann hätte man uns doch in die Planungen einbeziehen können“, meint Margarete Winter. So seien aufwändige Schutzgitter vor Gärten installiert worden, die Straße sehr viel massiver ausgebaut worden, als dies für eine Anliegerstraße notwendig gewesen wäre, und auch den Austausch der Straßenlaternen kritisieren die Anwohner.

Die empörten Anlieger haben inzwischen Unterschriften gesammelt, einige prüfen auch rechtliche Schritte. Am Steffen dürfte es wohl noch so einige schlaflose Nächte geben.

Von Kai A. Struthoff

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