Straßenraub in Bebra: Prozess nimmt überraschende Wende im Amtsgericht Bad Hersfeld

Schläge wegen etwas Gras?

bad hersfeld. Eine unvorhergesehene Wendung nahm die Verhandlung gegen einen 25-jährigen Mann und seinen 23-jährigen Komplizen aus Bebra gestern Morgen am Amtsgericht Bad Hersfeld.

Zu zweit sollen die beiden Männer auf offener Straße auf einen 33-Jährigen eingeschlagen haben und ihm außerdem noch 600 Euro Bargeld sowie eine Goldkette gestohlen haben. Im Moment sitzen die beiden Deutsch-Syrer in Untersuchungshaft.

Keine Klarheit

Nach vier Stunden Verhandlung konnte jedoch nicht geklärt werden, was genau zwischen den drei Männern im März diesen Jahres auf dem Rathausplatz in Bebra geschehen war.

Auch die fünf Zeugen, darunter die Ehefrau des Geschädigten, konnten die genauen Umstände nicht erläutern. Die detaillierte Befragung des Opfers scheiterte daran, dass der Dolmetscher den Dialekt des 33-jährigen nicht genau übersetzen konnte.

Hieß es anfangs, dass eine Zeugenaussage des Geschädigten in Bezug auf eine ältere Rauschgiftgeschichte der Grund für den Überfall gewesen sei, stellte sich im Laufe der Verhandlung heraus, dass es aufgrund eines geplatzten Drogengeschäftes zwischen einem der Angeklagten und dem Geschädigten zur Schlägerei gekommen sein könnte.

Der 25-jährige Angeklagte, der zugab, regelmäßig Marihuana zu konsumieren, sei auf das Angebot eingegangen, dass der 33 Jahre alte Mann aus Bebra ihm „ein bisschen Gras“ besorge. Die beiden hatten sich zufällig in einem Café in Bebra getroffen.

Nach einem kurzen Gespräch, habe das eigentliche Opfer schließlich vorgeschlagen, dass er für 20 Euro „etwas besorgen“ könne. Die Übergabe sollte auf dem Rathausplatz der Innenstadt von Bebra sein.

Wilde Rangelei

Entgegen der Abmachung habe der Geschädigte allerdings zu wenig Marihuana mitgebracht. Auf eine verbale Auseinandersetzung folgte schließlich eine wilde Rangelei. Diese habe der Mitangeklagte, ein 23-jähriger Mann aus Bebra, lediglich schlichten wollen. Der machte jedoch vorerst keine Angaben zum genauen Ablauf.

Der Geschädigte erlitt dabei eine Platzwunde am Kopf und mehrere Prellungen sowie eine Verletzung am Hals. Verletzt machte er sich auf den Weg zu seinen Schwiegereltern, die schließlich die Polizei informierten.

Richter Michael Krusche entschied sich im Einvernehmen mit Staatsanwältin Christina Dern und den beiden Verteidigern, dass man aufgrund dieser Aussagen und der Beweise vorerst kein Urteil finden könne.

Der Prozess wird am 31. August vor dem Schöffengericht fortgegeführt. Weitere Zeugen und ein arabisch-syrischer Dolmetscher sollen geladen werden.

Von Johanna Kaschik

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