Bebraer Missbrauchsprozess: Schwieriges Terrain für das Landgericht Fulda

Schläge für die Nachbarn

Bebra / Fulda. Die Schilderungen über die Zustände in der Familie, in der ein 48 Jahre alter Bauarbeiter seine Stieftochter in Bebra 20 Mal vergewaltigt haben soll, werden immer haarsträubender. Die Klärung der schweren Vorwürfe gegen den Stiefvater wird für das Landgericht Fulda dadurch nicht einfacher.

„In dieser Familie ist vieles ein bisschen ungewöhnlich“, kommentierte die Vorsitzende Richterin Michaela Kilian-Bock. Das Opfer, das heute 19 Jahre alt ist, sagte am jüngsten Verhandlungstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Die Taten sind nach Angaben des Mädchens von Juli 2002 bis Juni 2006 geschehen. Damals war die Stieftochter acht bis zwölf Jahre alt.

Ein früherer Freund der heute 43 Jahre alten Mutter berichtete im Zeugenstand, er habe die Frau über das Internet kennen gelernt, als diese noch verheiratet war. Nachdem sie sich von ihrem Ehemann getrennt hatte, durfte er bei ihr einziehen. Auch da verheimlichte sie, dass sie einen Ehemann gehabt hatte. „Der Frau kann man nichts glauben“, sagte der Mann.

Belastende Aussagen

Noch negativer äußerte sich eine heute 19 Jahre alte Nachbarin. Als sie vom Gericht gefragt wurde, welche Erinnerungen sie an die Familie des Opfers habe, brach sie in Tränen aus. Sie und ihre Mutter seien wiederholt geschlagen worden und hätten der Familie des späteren Opfers soviel Geld abgeben müssen, dass sie selbst nicht genug zu essen gehabt hätten.

In der Opfer-Familie, die von Hartz-IV lebte, habe die Mutter den Ton angegeben, sagte die 19-Jährige aus. Die Mutter des Opfers sitzt derzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen betrügerischen Bestellungen ab, bei denen Waren im Internet bestellt, aber nicht bezahlt wurden.

Eine heute 32-Jährige, die fast neun Jahre mit der Familie unter einem Dach lebte, war auch in die Betrügereien verwickelt und erhielt eine Bewährungsstrafe. Während der neun Jahre schlief sie mit der Mutter im Ehebett, während der Ehemann sein eigenes Schlafzimmer besaß.

Als Ergebnis einer verlorenen Pokerrunde habe sie einmal, während die Ehefrau daneben lag, mit dem Ehemann Sex gehabt, sagte die 32-Jährige vor dem Landgericht Fulda aus. Und berichtete, sie habe im Haushalt viele Arbeiten übernommen, weil die Mutter gern etwas länger geschlafen habe.

Der 48-jährige Angeklagte, der die Taten bestreitet, saß 2003 schon einmal einige Monate in Haft. Er war wegen des Einschleusens von Ausländern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, hatte aber die damit verbundene Geldstrafe nicht bezahlt.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Volker Nies

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