Prozess um versuchten Totschlag in Fulda: 63-jährige Hersfelderin angeklagt

Schläge nach obszöner SMS

Fulda. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung müssen sich seit gestern eine 63-jährige Frau aus Bad Hersfeld und ein 33 Jahre alter Mann aus Lauterbach vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Fulda verantworten.

Staatsanwalt Harry Wilke wirft ihnen vor, am 25. Februar dieses Jahres im Haunetaler Ortsteil Odensachsen in das Wohnhaus eines 61-jährigen Mannes eingedrungen zu sein und den Hausbesitzer mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen und dadurch schwer verletzt zu haben.

Hintergrund der Tat sollen laut Anklage obszöne SMS-Mitteilungen des Geschädigten auf das Handy der Hersfelderin gewesen sein.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Joachim Richter beschäftigte sich am ersten von bislang vier geplanten Verhandlungstagen mit der Vorgeschichte der beiden Angeklagten, die zum Zeitpunkt der Tat kein Paar mehr waren.

Betrunkenen erschlagen

Der Lauterbacher wuchs im Heim auf, gilt als aggressiv und ichbezogen und wurde mit 16 Jahren zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt, weil er einen Betrunkenen mit einem Stahlrohr totgeschlagen hatte.

Die Hersfelderin, von Beruf Krankenschwester, lebte strafrechtlich unauffällig bis zum November vergangenen Jahres, als sie mit einer 55 Jahre alten Komplizin als Mann verkleidet eine Spielhalle in Bad Hersfeld überfiel, aber lediglich ein paar Euro aus der Kaffeekasse erbeutete. Dafür wurde sie vom Hersfelder Schöffengericht Anfang vergangenen Monats zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Mit dem Wissen um diese Tat soll sie der Mann aus Odensachsen unter Druck gesetzt und sexuelle Forderungen gestellt haben, hieß es gestern vor dem Landgericht.

Als ihr 30 Jahre jüngerer Ex-Lebensgefährte die SMS las, seien sie beide ins Haunetal gefahren, „um die Sache zu klären“. Der Lauterbacher sagte aus, der 61-Jährige habe ihn vom Fenster aus beleidigt. Daraufhin habe er die Tür eingeschlagen, sei aber von seinem Widersacher mit Faust- und Stockschlägen empfangen worden. Den Stock habe er dem 61-Jährigen entwendet und seinerseits zugeschlagen.

Die Hersfelderin beteuerte, von der Auseinandersetzung nichts mitbekommen zu haben. Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zu ihren Angaben bei der Polizei, wo sie den 33-Jährigen der Tat bezichtigt hatte.

Der hatte sich daraufhin mit der Unterstellung revanchiert, die Krankenschwester habe in einem Hersfelder Krankenhaus zwei ältere Patienten per Sterbehilfe getötet (unsere Zeitung berichtete).

Die Verhandlung in Fulda dauerte bei Redaktionsschluss noch an. Sie wird heute fortgesetzt.

Von Leoni Rehnert und Karl Schönholtz

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