Streit unter Hersfelder Gastwirten eskalierte – Sohn wegen Körperverletzung verurteilt

Schirm gegen Markise

Bad Hersfeld. Der Sonnenschirm im Außenbereich eines Cafés am Bad Hersfelder Marktplatz geriet im vergangenen Sommer mit der Markise der benachbarten Pizzeria aneinander – und in Konsequenz die beiden Gastwirte, die sich deshalb lautstark beschimpften. Eskaliert ist der Streit allerdings erst, als der bis dahin unbeteiligte Sohn des Pizzabäckers seinen Vater in Bedrängnis wähnte und den Wirt vom Café attackierte, indem er diesen am Hals griff, würgte und einige Meter zurückdrängte.

Was zunächst nach einer „das Leben gefährdenden Behandlung“ aussah – so der Juristenjargon –, das erwies im Nachhinein und gestern vor dem Jugendschöffengericht des Bad Hersfelder Amtsgerichts nur noch als halb so dramatisch.

Der Geschädigte und der Angeklagte waren vor dem Vorfall freundlich miteinander umgegangen und taten es nach prompter Entschuldigung des 19-Jährigen auch nachher wieder. Auch im Hals des 35-Jährigen funktionierte nach ein paar Schluckbeschwerden bald alles wieder wie vorher, die zunächst befürchtete Verletzung des Kehlkopfes war später nicht festzustellen. Ohnehin meinte der Café-Betreiber, dass mit dem Sohn eigentlich der Falsche angeklagt worden sei.

Dumm nur, dass der junge Mann bereits drei einschlägige Vorstrafen im Register hatte und seine Tat deshalb nicht einfach als Ausrutscher in falsch verstandener Familiensolidarität abgetan werden konnte.

Dennoch herrschte zwischen Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken, Verteidiger Hans-J. Hauschild und dem Gericht mit seiner Vorsitzenden Michaela Kilian-Bock Einvernehmen, dass dem Angeklagten, der mit seinem Fachabitur demnächst eine Ausbildung bei der Bundeswehr beginnt, diese Perspektive nicht verbaut werden sollte. Neben Schuldspruch und Verwarnung beließ es das Gericht bei einer Arbeitsauflage von 70 Stunden.

Von der zunächst beantragte Geldbuße wurde abgesehen, weil die Strafe für den 19-Jährigen auf jeden Fall spürbar sein sollte. Die letzte Geldauflage hatte nämlich der Vater kurzerhand selbst bezahlt.

Von Karl Schönholtz

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