Naturschützer erforschen Libellenvorkommen im Kreis – 53 Arten auf Internetseite

Schillernde Flieger im Netz

Ein Weibchen der sehr seltenen Gestreiften Quelljungfer: Es legt gerade seine Eier in einem kleinen Quellgewässer ab. Foto:  Dr. Jochen Tamm/nh

Hersfeld-Rotenburg. Wo leben Libellen im Kreis Hersfeld-Rotenburg? Diese Frage beantworten jetzt die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Hersfeld-Rotenburg, und die NABU-Gruppe Bad Hersfeld. Sie stellen eine Libellenkartierung vor, die 53 Arten an 154 Fundstellen verzeichnet.

Auf einer Internetseite kann man sich jetzt über das Ergebnis informieren. Die beiden Naturschutzverbände haben viel Wissenswertes über die schillernden Flugkünstler im Kreis zusammengetragen.

Ab dem Jahr 2011 begann nach Mitteilung von Arno Werner eine intensive Kartierung im Kreisgebiet, an der sich 16 ehrenamtliche Mitarbeiter beteiligten. An ihren Vermehrungsorten wurden die Libellen zur exakten Bestimmung fotografiert.

Über 9 000 Fotos von Männchen, Weibchen, Jungtieren, Paaren, Paarungen und bei der Eiablage wurden ausgewertet. Eine Auswahl der besten 1 000 Fotos von 48 Arten sind jetzt auf der Internetseite eingestellt. Ein Höhepunkt und laut Werner konkurrenzlos sind die Filmclips. In HD-Qualität werden 38 Libellenarten vorgestellt. So kann man zum Beispiel auf einer benutzerfreundlichen und übersichtlichen Internetseite den Schlupfvorgang der seltenen Torf-Mosaikjungfer verfolgen.

Nach dem aktuellen Stand sind etwa 50 Prozent der Libellen im Kreis gefährdet. Eine der seltensten Arten ist die Gestreifte Quelljungfer. Sie lebt in nur wenigen Exemplaren fast verborgen an kleinen, klaren Quellbächen, die in Mischwäldern der Mittelgebirgslagen entspringen. Werden diese durch den Bau von Teichen und Tümpeln unterbrochen oder durch Abfallholz überdeckt, ist der Lebensraum zerstört, was im Kreis oft der Fall ist.

Die Flugkünstler sind vollkommen harmlos, stechen und beißen nicht. Für den Naturschutz sind sie aber ein lohnenswertes Objekt, weil sie zeigen, wie es um den ökologischen Zustand der Gewässer bestellt ist. Die Klimaveränderung könnte auch das Artenspektrum verändern. Welche Arten sind auf dem Rückzug und welche wandern ein – dies ist ein spannendes Feld für Naturfreunde.

Weil sich, je nach Alter der Libellen, die Körperfarben verändern, ist die Bestimmung nicht immer einfach. Nun aber steht eine umfangreiche Datenbank als Hilfe zur Verfügung. Informiert wird auch über Lebensraum, Vermehrungsstätten, Fundstellenkarten, Phänologie, Fortpflanzung und Gefährdung.

In den nächsten Jahren sollen die Kartierungslücken geschlossen werden. Naturkundlich Interessierte können dabei gern mithelfen. Wie das geht, kann man auf der Internetseite erfahren. (red/ank) www.libellenkartierung-kreis- hersfeld-rotenburg.de

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