Festspieler: Publikumsliebling Jan Ammann steht in „Show Boat“ auf der Bühne

Vom Schicksal geküsst

Singing in the rain: Zu jeder Situation im Leben gibt es einen Song, sagt Musicaldarsteller Jan Ammann, der in „Show Boat“ die Rolle des Gaylord Ravenal übernimmt. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Wenn dieser Tage ein großgewachsener Mann in lässiger schwarzer Motorradkluft auf einer Harley Davidson durch Bad Hersfeld fährt, könnte das Jan Ammann sein, der den Gaylord Ravenal im Musical „Show Boat“ spielt. „Ich fahre aber extra langsam, damit es nicht so laut ist“, entschuldigt sich Ammann schmunzelnd. Die Harley sei einfach ein echtes Männerspielzeug – und das Auto leider kaputt.

Sorgen, dass die Hersfelder ihn nicht mögen, muss er sich allerdings nicht machen. Für seine Doppelrolle in „Jekyll & Hyde“ bekam Ammann 2008 den Publikumspreis, auf den er damals sehr stolz gewesen sei. Nun wieder in Bad Hersfeld auf der Bühne zu stehen, scheint den gebürtigen Westfalen zu freuen.

„Tolle und intensive Zeit“

„Das ist etwas besonderes. In Hersfeld erlebt man eine tolle und intensive Zeit mit vielen unglaublich kreativen Menschen und in der Stadt herrscht eine so herzliche Atmosphäre“, sagt Ammann. „Als der Anruf kam, dachte ich nur: super!“ Da habe er nicht lange überlegen müssen. „Ich habe eine tolle Rolle, Show Boat ist ein tolles Stück und die Regisseurin Melissa King ist der Wahnsinn.“

In seine Rolle des Spielers Gaylord Ravenal kann sich Ammann gut hineinversetzen. „Er ist ein Lebemensch, der sorgenfrei durchs Leben geht und das Leben genießt“, erklärt Ammann. Mit der Verantwortung für eine Familie, könne er dann jedoch nicht umgehen, „er denkt, er ist nicht gut genug.“

Als Schauspieler mit wechselnden Engagements sei man doch immer auch ein bisschen Glücksspieler, meint Ammann, und sobald dann eine Familie da sei, für die man sorgen wolle, werde der Druck größer. Seit 2009 ist Ammann Vater eines Sohnes, und er schwärmt: „Es ist das größte Glück, eine Familie zu haben, ich fühle mich vom Schicksal geküsst.“

Dass er oft als Frauenschwarm dargestellt wird – auch Festspiel-Intendant Holk Freytag hatte Ammann bei der Probeneröffnung als Liebling des weiblichen Publikums vorgestellt – störe ihn nicht, es sei ihm aber auch nicht wichtig. „Natürlich freut es einen, als hübscher Mann betrachtet zu werden, aber das hat keine Aussagekraft“, sagt der 37-Jährige. Ihm sei es wichtiger, seine Arbeit gut zu machen. „Die Kunst steht an erster Stelle.“

Ammann hat kein Problem damit, sein Alter preiszugeben, auch vor grauen Haaren habe er keine Angst. Und wenn seine Fans Spaß an Kalendern und Tassen mit seinem Konterfei hätten, freue ihn das. Die Musik hat dem Sänger, Schauspieler und Musicaldarsteller, der derzeit an einem neuen Soloalbum arbeitet, schon in der Kindheit begleitet, seine Mutter war ebenfalls Musikerin.

Dass er nach dem Abitur zunächst ganz bodenständig eine Schreinerlehre machte, hat der Künstlerkarriere später keinen Abbruch getan und hilft, wenn es im Haushalt etwas zu reparieren gibt. „Das nahm seinen Lauf und ging immer geradeaus“, sagt Ammann, der als Jugendlicher vom Leiter des Schulchors angespornt wurde, Gesangsunterricht zu nehmen.

Graue Haare sind übrigens noch keine zu sehen, aber auch die würden seinen Fans sicher gefallen. Zur Person

Von Nadine Maaz

Kommentare