Bad Hersfelder Festspiele: Ella Späte entwirft Kostüme für die Festspielstücke

Schicke Roben für Eliza

Düstere Stimmung: Kostümbildnerin Ella Späte mit ihren Entwürfen für das Familienstück „Krabat“, das am 28. Juni in der Stiftsruine Premiere hat. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Einfache Kittel, schmutzig und mit Mehl bestäubt für „Krabat“ und festliche Roben mit opulenten Hüten für Eliza Doolittle und die anderen Damen in „My Fair Lady“ – Kostümbildnerin Ella Späte ist in beiden Welten zuhause. Ihre Aufgabe ist es, die Darstellerinnen und Darsteller dieser beiden Festspielstücke sowie die des Kinderstücks „Die goldene Gans“ und der „Sommernachts-Träumereien“ passend anzuziehen.

Die Kostüme müssen die Aussage des Stücks unterstützen, sie müssen Stimmungen schaffen und die Persönlichkeit der Figuren unterstützen. „Kostüme und Bühnenbild haben eine ganz wichtige Bedeutung, stehen aber trotzdem an zweiter Stelle. Erst kommt die Inszenierung, dann die Ausstattung. Wenn die Inszenierung dröge ist, kann ich die Leute anziehen, wie ich will“, sagt Ella Späte.

Viel Zeit für Entwürfe

Wie die Darsteller angezogen werden, aus welcher Zeit die Kostüme stammen und welche Botschaft sie vermitteln sollen, das sprechen Regisseur und Kostümbildnerin vorher ab. Dann beginnt der Kreativprozess. Ella Späte recherchiert, liest sich in das Stück ein und sammelt Informationen. Ihr Leidenschaft ist die grafische Arbeit, das Zeichnen der Entwürfe. „Da nehme ich mir viel Zeit“, sagt Ella Späte. Das freut dann auch die Kostümabteilungen, die nach ihren Zeichnungen die Kleider anfertigen.

Üppige Hüte

Für „My Fair Lady“ sind elegante Roben und schicke Ballkleider gefragt. Dafür hat Späte die Mode der Zeit (Anfang des 20. Jahrhunderts) ein wenig „modernistisch aufgepeppt“, erzählt sie. Und sie hat üppige, fantasievolle Hüte entworfen, die die Damen beim Pferderennen von Ascot tragen sollen.

Gleichzeitig gilt es aber auch, den Klassenunterschied zwischen der reichen, adeligen Gesellschaft und den einfachen, armen Leuten deutlich zu machen.

Hier werden, ebenso wie „Krabat“, die neuen Kostüme eingeschmutzt und älter gemacht. Dafür kann man sie nicht einfach mit Schlamm oder anderen Stoffen bearbeiten. Denn der Schmutz muss, im Gegensatz zum wirklichen Leben, im Theater auch nach dem Waschen noch da sein. Deshalb wird er mit spezieller Textilfarbe aufgespritzt.

Die Kostüme für „Krabat“ seien ganz düster und der Stimmung in der Mühle angepasst, wo Krabat und die anderen Müllersburschen ihrem unheimlichen Meister dienen. „Wir müssen da mit Farben und Formen gegen die Helligkeit und das Tageslicht anarbeiten“, sagt Späte. Schließlich würde das Familienstück vor allem tagsüber gezeigt.

Genres wechseln

Die Arbeit an ganz gegensätzlichen Projekten macht Ella Späte sehr viel Spaß. Sie hat auch Freude daran, die Genres zu wechseln und mal ein Kinderstück und dann eine opulente Oper oder ein Ballett auszustatten. Und wenn sie genügend Zeit hat, übernimmt sie gerne sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme. In beiden Bereichen ist sie ausgebildet. Schon als Kind hat Ella Späte gerne gemalt und gezeichnet. Sie erinnert sich daran, dass sie eine Lehrerin gezeichnet und ihr immer neue Kleider angezogen hat. Ganze Hefte und Zeichenblöcke voll hat sie produziert. „Ich war immer schon die Ausdenkerin und habe fantasievolle Sachen gemacht.“

Welche Ideen in diesem Jahr in Ella Spätes Kopf entstanden sind, das kann man bei den Festspielen sehen.

Zur Person: Ella Späte hat nach der Schule zunächst eine Ausbildung als Puppenspielerin gemacht. Danach studierte sie von 1981 bis 1987 Bühnenbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden mit dem Abschluss als Diplom-Bühnenbildnerin. Ihr Zusatzdiplom als Kostümbildnerin schloss sie 1988 ab. Zur Ausbildung gehörte sehr viel praktische, handwerkliche Arbeit in den Theaterwerkstätten. Ihr Wissen hat Ella Späte als Lehrbeauftragte an mehreren Hochschulen weitergegeben. Kostüme gestaltet sie unter anderem für die Semperoper in Dresden, die Deutsche Oper Berlin, die Stadttheater Krefeld, Hagen und Würzburg, die Staatsoper Szcecin und das Düsseldorfer Schauspielhaus. (zac)

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