650 Euro verloren: Finder brachte das Geld einer Hartz IV-Empfängerin zurück

Scheine lagen im Schutt

Alltagsheld bringt Moneten zurück: Murad Khazarian hat ein Portemonnaie seiner rechtmäßigen Besitzerin zurückgebracht. Er hatte es zwischen Schnee, Matsch und Bauschutt gefunden. Auf den Finderlohn verzichtete er. Foto: Backovic

Bad Hersfeld/Bebra. Ein herrenloses Portemonnaie liegt zwischen Schutt, Dreck und Schnee in einem unbeleuchteten Hinterhof. 650 Euro befinden sich in den Fächern der Börse. Es ist dunkel. Niemand guckt zu – wie verlockend. Aber nicht für Murad Khazarian: Er erlebte diese Situation kürzlich in Bad Hersfeld und brachte das Fundstück seiner verzweifelten Eigentümerin – einer Hartz IV-Empfängerin – zurück.

„Zuerst habe ich in die Börse reingeguckt und das Geld gezählt. Außer den 650 Euro waren noch mehrere Karten und Fotos drin“, erinnert sich Khazarian. Zufällig machte er den Fund. Der Bebraer war aus beruflichen Gründen in Bad Hersfeld. In der Oberen Frauenstraße war der Techniker mit Bauarbeiten an einem kleinen Haus beschäftigt, das neben einer Gaststätte steht. Abends lief er über den Hinterhof der Kneipe. Mit einer Taschenlampe ging er am Bauschutt vorbei, weil er die Heizung im Häuschen kontrollieren wollte. Im Lichtschein sah er das Portemonnaie.

Wirt zeigte den Weg

Khazarian ging mit dem Fund ins Lokal. „Es hört sich komisch an, aber ich dachte mir, wer so viel Geld mit sich herumträgt, der kann nicht besonders viel besitzen“, sagt der gebürtige Armenier. Der Familienvater fragte den Wirt, ob er die Frau, deren Name auf den Karten stand, kenne. Dieser zeigte nur mit dem Finger auf eine ärmlich gekleidete Frau, die an einem der Tische saß.

Khazarian geht auf die Dame zu: „Vermissen Sie etwas?“, fragt er. Sichtlich überrascht nickt sie. „Als ich ihr sagte, dass ich ihr Portemonnaie gefunden habe, fing sie an zu weinen. Sie kniete vor mir und hielt sich an meinem Bein fest“, erzählt der 49-Jährige.

Die Hartz IV-Empfängerin aus Bad Hersfeld vermisste den Geldbeutel schon seit vier Tagen. In der Börse war das Geld, mit dem sie und ihre Familie einen Monat lang auskommen müssen. „Darin war mein ganzes Hab und Gut“, versicherte die Frau. Sie habe deswegen großen Ärger mit ihrem Mann gehabt. Nun sei ihre Existenz wieder gesichert: Kein Cent fehlte in der Brieftasche.

Frau hat kein Bankkonto

„Sie erzählte mir, dass sie kein Konto hat und das Geld deshalb immer bar bekommt“, sagt Khazarian. Die Frau wollte ihm 100 Euro Finderlohn geben. Doch Khazarian lehnte dankend ab. Die gute Tat war Lohn genug: „Für mich war es ein schönes Gefühl, ihr zu helfen. Den Finderlohn wollte ich nicht. Mir war einfach nur wichtig, dass sie jetzt mit ihrer Familie über die Runden kommt.“

Von Dorothea Backovic

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