Galerie auf Zeit eröffnet Ausstellung „In der Luft (oben)“ in der Schilde-Halle

Von Schein und Sein

Ein idealer Ort für Kunst ist die Schilde-Halle. Dort zeigt zurzeit die Galerie auf Zeit Arbeiten von Jana Troschke (hängend), TO Helbig (links am Fenster und auf dem Boden stehend) und Julia Antonia. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Ihre Portraits malt Julia Antonia mit verbundenen Augen. Sie sitzt dem Menschen gegenüber, den sie zeichnen will, fühlt sich in die Person ein, betrachtet sie intensiv und arbeitet dann mit dem Gefühl und aus der Erinnerung – ohne etwas zu sehen.

Dabei entstehen vielschichtige Zeichnungen, bei denen nicht immer alle Teile des Gesichts dort erscheinen, wo man sie erwarten würde. Fragmente, Doppelungen oder überraschende Linien machen die Betrachtung dieser Portraits spannend.

Julia Antonia stammt aus Berlin und ist eine von drei Künstlern, die in diesem Jahr in der Galerie auf Zeit ausstellt. Am Sonntag wurde die Kunstschau, die während der Festspielzeit bis zum 8. August in der Schildehalle zu sehen ist, eröffnet. Ausstellungsmacher Gunter Haedke hat sie in diesem Jahr unter das Motto „In der Luft (oben)“ gestellt.

Mitten im Raum hängt auch eine weitere Arbeit von Julia Antonia, ein Portrait, das sie mit der Schleifscheibe auf eine Aluminiumplatte eingraviert hat. Je nach Lichteinfall und Standort des Betrachters verändert sich das Gesicht.

Veränderungen hat auch TO Helbig im Sinn. Der Künstler, der aus Pinnow bei Schwerin stammt, liebt es, die Betrachter seiner Kunst zu irritieren, indem er Dinge anders erscheinen lässt, als sie es sind oder sein können.

Der Computerbildschirm aus Plastik, zum Beispiel, ist hier mit einer Schicht Rost überzogen, Hosen und Schürzen wirken, als seien sie aus Metall, und auch die Platten, die an den Fenstern lehnen, sind nicht aus rostigem Eisen oder aus Stahl, sondern auch Holz. TO Helbig hat es so lange mit Farbe, Erde und anderen Materialien bearbeitet, bis es aussieht, wie Metall.

Vielschichtig verflochten

Fröhlich bunt dagegen die Leinwandarbeiten von Jana Troschke, die in den Seitenschiffen der Halle schweben. Sie sehen aus, als seien verschiedene Materialien miteinander vielschichtig verflochten und machen neugierig auf das, was darunter liegen könnte.

Interessante Künstler und ihre Arbeiten an neuen Orten zu präsentieren, das ist das Konzept des Galeristen Gunter Haedke, der auch Bad Hersfelder schon in seine Galerie auf Zeit eingeladen hat. Von der alten Industriehalle in Bad Hersfeld ist Haedke restlos begeistert, hier würde er gerne, so sagt er um Unterstützung werbend, eine große Ausstellung präsentieren, bevor die Halle komplett umgebaut wird.

Ab Ende nächsten Jahres sei so etwas möglich, stellt Bürgermeister Hartmut H. Boehmer in Aussicht. Dann sei die Halle auch winterfest.

Das Kunstangebot in der Schildehalle wird übrigens noch in dieser Woche erweitert, um eine Fotoausstellung des Kunstvereins nämlich. Mitte Juli möchte Julia Antonia zudem eine Performance zeigen, bei der sie Geige spielend durch die Halle schweben will.

Die Galerie auf Zeit ist bis zum 8. August immer donnerstags und freitags von 16 bis 20 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr in der Schilde-Halle geöffnet.

Von Christine Zacharias

Kommentare