Auswüchse der Hersfelder Drogenszene im Mittelpunkt einer Gerichtsverhandlung

Schein rein, Drogen raus

Bad Hersfeld. Wenn Papa Drogen nimmt, kiffen die Kinder und ihre Freunde gleich mit. Und wenn der Rauschgifthandel erst einmal ins Rollen gekommen ist, dann steht die Kundschaft schon vor der Wohnungstür mit gezücktem Geld Schlange, ganz nach dem Motto: Schein rein, Drogen raus.

Solche Szenen wie aus einem schlechten Film bekam gestern das Schöffengericht in Bad Hersfeld im Prozess gegen einen 38 Jahre alten US-Amerikaner geschildert, der nicht nur des Handels und des Besitzes von Rauschgift, sondern auch der Abgabe an Minderjährige angeklagt war.

So soll der Ex-Soldat, der heute als Staplerfahrer arbeitet, von seinen wechselnden Wohnungen in der Bad Hersfelder Innenstadt aus florierende Geschäfte betrieben und dabei auch Kunden unter 18 Jahren sowie zumindest einmal auch seinen damals 16-jährigen Sohn mit Marihuana und Amphetamin-Tabletten versorgt haben. Weil der Angeklagte zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Christina Dern schwieg, gestaltete sich die Beweisaufnahme vor Richter Michael Krusche und den beiden Schöffen schwierig.

So versuchte ein minderjähriger Zeuge zunächst seine vor der Polizei noch im Detail geschilderte Aussage zurückzulöffeln und den Amerikaner zu entlasten. Erst eindringliche Hinweise auf seine Wahrheitspflicht und eine Unterbrechung seiner Vernehmung, während der ein Polizist von den Observierungen der Drogengeschäfte berichtete, ließen den Zeugen einlenken: Er bestätigte seinen Drogenkauf und teilte mit, im Vorfeld der Verhandlung bedroht worden zu sein.

Deutlich auch die Angaben eines Hausverwalters: Der hatte bei Reparaturarbeiten in einer Nachbarwohnung etwa 20 mal beobachtet, wie die Drogendeals durch den Türspalt abgewickelt wurden.

Weil mehrere Zeugen gestern nicht erschienen waren und weitere vernommen werden sollen, wird die Verhandlung morgen ab elf Uhr fortgesetzt.

Von Karl Schönholtz

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