Wochenendporträt: Benedict Freitag spielt in der Stiftsruine Hamlets Onkel

Schauspielerei als Erbe

Auf Tour: Benedict Freitag liebt seine Ducati und fährt immer von Zürich zu seinen Vorstellungen in Bad Hersfeld. Foto: Brandau

Bad hersfeld. Vor seinen Auftritten hat er das Gefühl, dass ihm alle Plomben und büschelweise Haare ausfallen. Dann fährt Benedict Freitag seinen Generator hoch – und hinaus geht es auf die Bühne. In diesem Fall die der Bad Hersfelder Stiftsruine, wo Freitag derzeit den Geist von Hamlets Vater und Claudius, den Oheim und Stiefvater von Hamlet, spielt.

Die ambivalente Rolle gefällt ihm: „Jemand, der gefangen ist in seiner eigenen Schlinge. Böse und menschlich zugleich.“ Aber nicht nur seine Rolle, die ganze Inszenierung begeistert Freitag. Trotz der modernen Aufmachung sei sie der Geschichte treu geblieben. Vor allem für den Hauptdarsteller Bastian Semm schwärmt er. „Das ist endlich mal nicht so ein Würstchen als Hamlet.“

Ohne Steckdose

Die Schauspielerei wurde Benedict Freitag quasi in die Wiege gelegt. Seine Eltern leiteten eine Schauspielgruppe, die er später übernahm. Doch zunächst wollte er Musiker werden, und die weite Welt lockte: So zog es Freitag nach Kanada, wo er mehrere Monate bei den Dakota-Indianern verbrachte. „Dort habe ich gelernt, ohne Steckdose zu leben.“ Auch Respekt, Gelassenheit und Dankbarkeit für das, was er hat, hat er von seinem Aufenthalt dort mitgebracht. „Ungeduld und Gier des weißen Mannes sind mir fremd.“ Und auch spirituell habe ihn diese Reise geprägt. „Man sollte ins kleine Kämmerchen gehen und mit Gott im Geheimen sprechen.“

Nach Kanada ging er sechs Jahre lang als Rockmusiker auf Tour. „Irgendwann wurde mir aber bewusst, dass Musiker noch schlechter verdienen als Schauspieler“, sagt der Gitarrist und Bassist. Deswegen nahm er ein Engagement am Schillertheater in Berlin an und schloss sich 1982 der Truppe seiner Eltern an. „Es ging eben doch nicht ohne Schauspielerei.“

„Irgendwann wurde mir bewusst, dass Musiker noch schlechter verdienen als Schauspieler.“

Benedict Freitag

Benedict Freitag hat aber noch weitere Talente, ist handwerklich begabt: Momentan übt sich der Hobby-Motorradfahrer in der Reparatur alter Ducati-Motoren. „Deutschland hat wunderschöne Strecken, deshalb fahre ich immer mit dem Motorrad von Zürich zu den Vorstellungen nach Bad Hersfeld.“

Die Familie ist ihm wichtig: Er hat fünf eigene Kinder und drei Stiefkinder. „Meine Kinder sind mein größter Schatz“, erzählt der mittlerweile vierfache Großvater. „Ich bin mit allen befreundet“, berichtet er.

Seine Zwillinge, heute 21 Jahre alt, hat er zusammen mit Sängerin Nena. Die hatte er während der Dreharbeiten zu dem Film „Der Unsichtbare“, kennen und lieben gelernt. „Wir waren sieben Jahre ein Paar.“ Über die Zeit der Beziehung schweigt Freitag diskret. „Mein Privatleben ist mir heilig.“

Als Nächstes möchte sich Benedict Freitag noch einen Traum erfüllen: „Ich möchte aus Peer Gynt eine Rockoper machen – am liebsten mit Bastian Semm.“

Von Lea-Marie Brandau

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