Im Hersfelder Jugendhaus erlebten tafelnde Zuschauer einen Puppenspiel-Krimi

Schauriges Spiel zum Dinner

Ein raffiniertes Spiel: Anke Scholz und ihre „kriminellen“ Puppen präsentierten Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ im Bad Hersfelder Jugendhaus. Foto: Hettenhausen

Bad hersfeld. „Für unerschrockene Jugendliche und Erwachsene“ stand auf der Einladung zum ersten schmackhaften Krimi-Vergnügen, zu dem die Stadtjugendpflege in das Kinder- und Jugendhaus in der Dippelstraße eingeladen hatte.

Es sollten mörderische Rätsel gelöst und blutige Tatsachen aufgedeckt werden. Dazu wurde Herzhaftes und Feuriges von den Mitgliedern der Theatergruppe des Jugendhauses, „Die durchgebrannten Pürierstäbe“, höflich und zuvorkommend serviert. Zubereitet wurden die Schmankerl im Ausbildungsrestaurant auf der Hohen Luft.

Zu Gast beim gemütlichen „Krimi-Dinner“ war die professionelle Puppenspielerin Anke Scholz aus Schweighofen mit ihrem Theater „Artisjok“ (zu deutsch „Artischocke“). Sie präsentierte eine ungewöhnliche Fassung von Agatha Christies Roman „Zehn kleine Negerlein“ aus dem Jahre 1939. „Und dann gab’s keines mehr“ lautet der jetzige Titel dieses Krimis.

Etwa fünfzig Gäste saßen beim Kerzenschein in einer erst heimeligen und dann immer gespenstischer werdenden Atmosphäre. Was zunächst mit fröhlicher Musik und dem Kinderlied von den zehn kleinen Negerlein begann, endete mit schaurigen Klängen. Dass man heutzutage nicht mehr von „Negern“, sondern von „Schwarzafrikanern“ spricht, wurde gleich zu Beginn des Spiels von einer Puppe erklärt.

Keiner überlebt

Keine der zehn Personen, die sich auf einer einsamen Insel treffen, überlebt. Der Zuschauer ist die ganze Zeit über gefordert, nach dem Mörder zu suchen, der sich ein Opfer nach dem anderen aussucht. Die oben an der Decke hängenden „Negerköpfe“ verraten den dramatischen Fortgang der Handlung, denn ihre sich stetig vermindernde Anzahl kündigt den nächsten Mord an. Am Ende gibt sich die Mörderin, die Anwältin Laura Wargrave, zu erkennen, bevor sie Selbstmord begeht und dazu auch die letzte Überlebende anstiftet.

Ab diesem Moment greift Anke Scholz selbst ins Geschehen ein und übernimmt die Rolle der Anwältin, mit der sie absolut identisch gekleidet ist. Dies ist ein Schachzug des Regisseurs Jan Mixsa.

Scholz beherrschte die schauspielerische Kunst, jeder ihrer Figuren ein eigenes Naturell zu verpassen. Alt und gebrochen, lispelnd, arrogant oder mit französischem und englischem Akzent ließ sie ihre Protagonisten zu Wort kommen.

Interesse an Puppen

Nach der Vorstellung zeigten die Zuschauer großes Interesse an den Puppen, die Scholz in Anlehnung an die Puppenspieltradition aus dem sächsischen Hohenstein selbst entworfen und angefertigt hat.

Von Vera Hettenhausen

Kommentare