Ausstellung im Stift bietet eine spannende Ergänzung zu den Festspiel-Produktionen

„Schau hin, spiel damit“

Diskutieren lässt sich vortrefflich über die Kaltnadelradierungen von Heike Wadewitz: Intendant Holk Freytag legt nicht nur den Festspiel-Besuchern einen Besuch der Ausstellung im Stift nah. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Während des Rundganges durch das Dachgeschoss der Galerie im Stift gerät Festspiel-Intendant Holk Freytag regelrecht ins Schwärmen. „Schau spiel“ heißt die Ausstellung von 71 Kaltnadelradierungen der Dresdner Künstlerin Heike Wadewitz, die dort seit dem 15. Juni zu sehen ist. „Der Name kommt nicht von ungefähr“, sagt Freytag. „Die beiden Imperative fordern den Betrachter auf: ,Sieh hin und spiel damit’“.

Und hinsehen muss man bei den Werken von Heike Wadewitz: einmal, zweimal – immer wieder. Nichts ist, wie es scheint, nichts bleibt, wie es ist. Die Radierungen der Dresdnerin stellen die Natur auf den Kopf, zeigen phantastische Mischwesen aus Vögeln und Fischen oder erschaffen neue, teils absurde Realitäten. „Heikes Werke faszinieren auf eine besondere Weise“, erklärt Freytag, der selbst mehrere Wadewitz-Kaltnadelradierungen sein Eigen nennt. „Sie transportieren einen speziellen, sehr dunklen Humor.“

Kommentar zu Festspielen

Er selbst setzte sich dafür ein, dass die Werke aus Usedom angeliefert und begleitend zur Festspiel-Saison in Bad Hersfeld zu sehen sind. „Sie sind als Kommentar zu den Stücken zu verstehen“, sagt der Intendant. Nahezu alle diesjährigen Produktionen brächten die großen Ideale der Menschheit auf die Bühne der Stiftsruine. „Show Boat“ etwa thematisiere die Rassendiskriminierung, „Nathan der Weise“ appelliere an die menschliche Vernunft. „Das ist auf der Bühne schön anzusehen, spiegelt aber nicht die Wirklichkeit wider“.

Heike Wadewitz dagegen arbeite mit dem Schein und Sein. Sie erschaffe Realitäten, die auf den ersten Blick seltsam, verwirrend und düster anmuteten – „aber erst, wenn wir uns auf diesen Standpunkt begeben, können wir überlegen, wie wir die Welt besser machen.“

Jahrelange Bekanntschaft

Heike Wadewitz lernte Holk Freytag noch während seiner Zeit als Intendant am Dresdner Staatsschauspiel kennen. Das damalige Foyer wandelte er in eine Galerie für moderne Kunst um und gab den Meisterschülern der Dresdner Hochschule für Bildende Künste sechs Wochen lang die Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren. „Im Jahr 2001 war Heike die erste, die dort ausstellte.“ Der Kontakt blieb, mehrere Besuche im Wadewitz’schen Atelier folgten und auch Künstlerkatze Paul durfte Holk Freytag kennenlernen. „Die beiden pflegten eine beinahe symbiotische Verbindung“, sagt der Intendant und lacht.

Wer sich auf das Abenteuer „Schau spiel“ einlassen möchte, kann das noch bis zum 11. August zu den regulären Öffnungszeiten der Galerie im Stift tun.

Von Emily Spanel

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